KI entdeckt bisher unbekanntes Löwengebrüll für bessere Conservation
Auch in der Tierwelt gibt es Geheimnisse, die erst mit moderner KI ans Licht kommen: Forscher der Universität Exeter haben erstmals einen bisher unbekannten „mittleren Brüllton“ bei afrikanischen Löwen entdeckt, der neben dem bekannten, tiefen Brüllen existiert. Bisher galt der Löwenbrüll als einheitlich, doch die neue Studie, veröffentlicht in Ecology and Evolution, zeigt, dass es zwei unterschiedliche Arten gibt – einen voll ausgebildeten, tiefen Brüll und einen intermediären, weniger intensiven Ton. Die Entdeckung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz möglich, die 95,4 Prozent Genauigkeit bei der Klassifizierung der Rufe erzielte. Damit wurde menschliche Interpretation weitgehend ausgeschaltet, was zu konsistenteren und objektiveren Daten führt. Die Forscher nutzten maschinelles Lernen, um Tausende von Aufnahmen aus verschiedenen Nationalparks in Tansania zu analysieren. Die KI-Systeme lernten, die akustischen Muster zu erkennen, die individuelle Löwen voneinander unterscheiden – ähnlich wie menschliche Stimmen. Dies ist entscheidend für die Bestandsüberwachung, da jeder Löwe eine einzigartige „Stimme“ besitzt. Die bisherige Methode, die auf Expertenurteilen basierte, war zeitaufwendig und anfällig für subjektive Fehler. Die neue automatisierte Herangehensweise macht passive Akustiküberwachung effizienter, kostengünstiger und skalierbar. Löwen gelten als gefährdet: Laut dem Roten Liste des IUCN sind nur noch 20.000 bis 25.000 Wildlöwen in Afrika übrig – ein Rückgang um die Hälfte in den letzten 25 Jahren. Die Fähigkeit, Tiere präzise zu identifizieren und ihre Populationen zu verfolgen, ist daher lebenswichtig für den Schutz der Art. Die neuen Erkenntnisse unterstreichen auch den wachsenden Wert der Bioakustik in der Ökologie, wie sie bereits bei anderen Raubtieren wie Fleckhyänen beobachtet wurde. Die Studie ist ein Ergebnis einer breiten Kooperation zwischen der Universität Exeter, dem Wildlife Conservation Unit der Universität Oxford, Lion Landscapes, dem Frankfurt Zoological Society, TAWIRI und TANAPA. Computerwissenschaftler aus beiden Universitäten trugen maßgeblich zur Entwicklung der KI-Modelle bei. Finanziert wurde das Projekt durch den Lion Recovery Fund, WWF Deutschland, die Darwin Initiative und das UKRI AI Centre for Doctoral Training in Environmental Intelligence. Experten sehen in der Studie einen Meilenstein für die Wildtiererforschung. „Die Integration von KI in die Akustiküberwachung markiert einen Paradigmenwechsel“, sagt ein Experte für Naturschutzbiologie. „Es ist nicht mehr nur um Effizienz, sondern um eine objektivere, wissenschaftlich fundierte Basis für Schutzmaßnahmen.“ Die Technologie könnte bald auch auf andere bedrohte Arten wie Leoparden oder Elefanten übertragen werden, wodurch der Schutz der Biodiversität nachhaltig gestärkt wird.
