Grammarly 'expert review' ohne echte Experten
Grammarly hat eine neue KI-Funktion namens „Expert Review" vorgestellt, die angeblich durch die Perspektive berühmter Schriftsteller und Denker das Schreiben der Nutzer optimiert. Die Funktion ist in einer Seitenleiste des Schreibassistenten integriert; die generierten Änderungsvorschläge werden häufig im Stil bestimmter Personen verpackt, darunter bekannte lebende und verstorbene Autoren sowie Journalisten von Technologiepublikationen wie The Verge oder dem Wall Street Journal. Tests seitens einiger Nutzer ergaben, dass die Vorschläge sogar konkrete Namen von Journalisten enthalten können, etwa Casey Newton oder Timnit Gebru, während Medien wie TechCrunch nicht erwähnt wurden – was bei Außenstehenden zu Verwirrung führte. Tatsächlich waren diese zitierten „Experten" weder an der Entwicklung dieser Funktion beteiligt noch haben sie Grammarly autorisiert, ihre Namen zu verwenden. Alex Gay, Vice President of Products bei Grammarys Muttergesellschaft Superhuman, erklärte, dass diese Persönlichkeiten lediglich deshalb herangezogen würden, weil deren veröffentlichte Werke weit verbreitet zitiert worden seien. Das Benutzerhandbuch für Software weist ausdrücklich darauf hin, dass die betreffenden Zitate nur Informationszwecken dienen und keine Zugehörigkeit oder Billigung („endorse") zwischen den jeweiligen Personen und Grammarly implizieren. Obwohl Grammarly versucht, den Empfehlungen Autorität zu verleihen, weisen zahlreiche Kritiker darauf hin, dass die Funktion echte Expertenbeteiligung fehlt und daher im Kern kein echtes „Expert Review" darstellt. Der Historiker C.E. O'Brien merkte direkt an, da keinerlei Experten tatsächlich am Inhaltsgenerierungsprozess beteiligt gewesen seien, sei die Bezeichnung als „Expert Review" irreführend. Diese Kontroverse wirft ethische und Authentizitätsfragen auf, denen sich Generative-KI-Systeme derzeit in der Inhaltsproduktion stellen müssen: Wenn KI zwar den Tonfall prominenter Persönlicher nachahmt, jedoch ohne tatsächliche Genehmigung handelt, sind Glaubwürdigkeit und Transparenz ihrer Ratschläge ernsthaft zu hinterfragen.
