Pinterest-Chef setzt auf Suchmaschine – mit Erfolg bei Gen Z
Vier Jahre nach einem massiven Nutzerabfluss hat Pinterest unter CEO Bill Ready eine klare strategische Wende vollzogen. Nachdem das Unternehmen versucht hatte, mit Kurzvideos, shoppbaren Livestreams und Creator-Bezahlung mit TikTok zu konkurrieren – ohne Erfolg – erkannte Ready, dass die Plattform nicht als „fünftes TikTok“ existieren sollte. Als ehemaliger Präsident von Googles Commerce-Abteilung betonte er: „Die Welt braucht kein weiteres TikTok.“ Stattdessen setzte er auf die Stärke, die Pinterest ursprünglich ausmachte: Suchfunktionen – aber mit einem visuellen, personalisierten und kommerziell ausgerichteten Twist. Seit seiner Amtsübernahme 2022 hat sich die Nutzerbasis stabil erholt und erreichte kürzlich 600 Millionen monatlich aktive Nutzer. Zwei Drittel aller Interaktionen sind mittlerweile suchbasiert, und die Plattform verzeichnet jährlich rund 80 Milliarden Suchanfragen. Besonders stark ist die Akzeptanz bei der Generation Z: Mehr als die Hälfte der Nutzer ist heute zwischen 18 und 25 Jahre alt, und 47 % der Befragten in einer Adobe-Studie aus dem Jahr 2025 gaben an, Pinterest für Suchzwecke zu nutzen. Pinterest hat seine Suchfunktionen massiv modernisiert. So wurde im Mai eine erweiterte visuelle Suche eingeführt, die es Nutzern ermöglicht, aus einem Bild direkt Produkte zu finden – sei es ein Lampenstil, ein Kleidungsstück oder ein Möbelstück. Mit KI-gestützten Tools kann die Plattform sogar auf individuelle Merkmale wie Körperbau, Hautfarbe oder Haarstruktur reagieren, was die Personalisierung weiter vorantreibt. Im Oktober folgte die Einführung eines Chatbots – eines künstlichen Shopping-Assistenten –, den Nutzer per Sprache oder Text nutzen können. Diese Funktionen machen Pinterest zu einem hochintentionalen Such- und Kaufkanal. Laut Ready sind zwei Drittel der Anzeigen auf der Plattform „low-funnel“-Anzeigen, also solche, die direkt zum Kauf führen. Analysten wie Evelyn Mitchell-Wolf von Forrester sehen darin einen entscheidenden Vorteil: „Suchverhalten liefert die stärksten Intent-Signale – das macht Pinterest für Werbetreibende äußerst attraktiv.“ Trotz des strategischen Erfolgs bleibt die Aktie unter Druck. Nach einem Umsatzwachstum von 17 % im dritten Quartal fiel der Kurs um über 20 %, da die Prognose für das vierte Quartal enttäuschte. Ursache waren laut Management Handelssanktionen, die die Werbeeinnahmen beeinträchtigten. Analyst Josh Beck von Raymond James bewertete die Aktie neutral, war aber dennoch positiv über die Fortschritte im Shopping- und Werbebereich. Die Konkurrenz im Suchmarkt ist groß: Google dominiert mit 90 % Marktanteil, doch Plattformen wie Amazon, YouTube, TikTok und KI-Tools wie ChatGPT und Perplexity verändern die Suchlandschaft. Laut einer McKinsey-Umfrage nutzen bereits 50 % der US-Verbraucher bewusst KI-gestützte Suchmaschinen, und viele nennen sie ihre bevorzugte Quelle für Kaufentscheidungen. In diesem Umfeld positioniert sich Pinterest gezielt im visuellen, inspirationsbasierten Suchsegment – ein Nischenmarkt, der durch KI und visuelle Suchtechnologien enorm wächst. Bill Ready betont: „Die Zukunft der Suche ist mehr offen als je zuvor.“ In der Branche wird die Strategie als kalkuliert und zukunftsweisend angesehen. Kamran Ansari, ehemaliger Leiter der Unternehmensentwicklung bei Pinterest, unterstreicht: „Diejenigen, die suchen, sind wertvoller als Zufallsscroller. Google hat ein 3-Billionen-Dollar-Unternehmen aufgebaut, weil Suchen die stärkste Absichtssignatur ist.“ Pinterest nutzt diese Erkenntnis, um nicht nur Nutzer, sondern auch Werbetreibende an sich zu binden – und das in einer Zeit, in der die Art, wie wir suchen, sich grundlegend verändert.
