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KI entschlüsselt El-Greco-Gemälde

Ein neues Forschungsprojekt nutzt künstliche Intelligenz, um ein jahrhundertealtes Rätsel um den spanischen Meister El Greco und sein Werk Die Taufe Christi zu lösen. Lange Zeit waren Kunsthistoriker der Ansicht, dass das Gemälde zum Zeitpunkt von El Greco Tod im Jahr 1614 unvollendet war und erst von seinem Sohn Jorge Manuel fertiggestellt wurde. Neuere Analysen deuten jedoch darauf hin, dass der Künstler selbst einen größeren Anteil an der Fertigstellung hatte als bisher angenommen. Die Untersuchung erfolgte mit Hilfe einer neu entwickelten Technologie namens PATCH, deren Ergebnisse im Fachjournal Science Advances veröffentlicht wurden. Die Forschung konfrontierte die Wissenschaftler mit einer klassischen Herausforderung: Wie kann bei einem Gemälde, das in einer Werkstatt von gesellen Künstlern und einem Meister erstellt wurde, eindeutig bestimmt werden, wer welche Partien gemalt hat? Traditionell benötigen KI-Modelle für derartige Aufgaben Referenzbibliotheken bekannter Werke, um die unterschiedlichen Stile zu lernen. In Fällen wie El Greco, wo mehrere Hände auf einer Leinwand arbeiteten und oft eine Stilvielfalt herrscht, fehlte es an solchen klaren Referenzdaten. Um dieses Problem zu umgehen, entwickelten die Forscher die PATCH-Methode, die für „pairwise assignment training for classifying heterogeneity" steht. Der Prozess beginnt mit einer hochauflösenden 3D-Abtastung der Gemäldeoberfläche, die detaillierte Karten der Maltextur erstellt. Dabei werden winzige Erhebungen und Vertiefungen erfasst, die durch den Pinselstrich des Künstlers entstanden sind. Anschließend kommt ein neuronales Netzwerk vom Typ Convolutional Neural Network zum Einsatz, um zwei ein Quadratzentimeter große Bereiche des Bildes zu vergleichen. Wenn das System diese Bereiche klar unterscheiden kann, stammen sie wahrscheinlich von unterschiedlichen Künstlern. Kann es sie nicht trennen, deutet dies auf dieselbe Hand hin. Je nach Größe des gescannten Bereichs können Hunderte solcher Vergleiche gleichzeitig angestellt werden. Um die Zuverlässigkeit des Systems zu beweisen, testeten die Forscher PATCH zunächst an zwanzig Gemälden, die von neun Studenten erstellt wurden. Die KI konnte die Hände der einzelnen Schüler dabei präzise voneinander unterscheiden. Im Anschluss wurde die Technologie auf Die Taufe Christi und Das Kreuz Christi in der Landschaft angewendet, wobei letzteres allgemein als von El Greco selbst fast vollständig ausgeführt gilt. Die Analyse zeigte eine durchgehend einheitliche Handschrift bei beiden Werken. Die Ergebnisse stellen die bisherige Annahme infrage, dass ein erheblicher Teil der Taufe Christi nach El Greco Tod von Werkstattmitgliedern vollendet wurde. Die Forscher betonen jedoch, dass ihre Ergebnisse nicht als endgültig zu werten sind. Das System hat Grenzen: Alter und Beschädigungen des Kunstwerks können die Analyse verfälschen. Zudem wäre es möglich, dass geschulte Schüler den Stil ihres Meisters so gut imitierten, dass auch eine hochentwickelte KI keine Unterscheidung treffen kann. Dennoch betrachten die Autoren ihre Arbeit als wichtigen Beitrag zur Aufklärung dieses kunsthistorischen Geheimnisses und als einen Fortschritt in der Anwendung von maschinellem Lernen für die Kunstanalyse, insbesondere bei komplexen Fällen ohne vorab bekannte Ground-Truth-Daten. Die Studie demonstriert, wie moderne Technologie helfen kann, historische Kunstwerke auf eine Weise zu untersuchen, die traditionelle Methoden an ihre Grenzen bringt.

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