StrongDM baut Software-Fabrik mit KI-gesteuertem Entwicklungsprozess
Am 14. Juli 2025 gründeten Jay Taylor, Navan Chauhan und Justin McCarthy, Co-Founder und CTO von StrongDM, das StrongDM AI-Team – ein entscheidender Schritt in der Entwicklung einer neuen Art von Softwareentwicklung: des Software Factories. Der Impuls dafür kam aus einer fundamentalen Veränderung im Jahr 2024, als die zweite Revision von Anthropic’s Claude 3.5 (Oktober 2024) eine signifikante Leistungssteigerung bei langen, agentenbasierten Codierungsworkflows zeigte. Vorher hatte die iterative Nutzung von LLMs zu einer akkumulativen Fehlerverstärkung geführt: Missverständnisse, Halluzinationen, Syntaxfehler, Version-Konflikte und Bibliotheksinkompatibilitäten führten zu einem systematischen Zerfall von Software – „Tod durch tausend Schnitte“. Mit Claude 3.5 und Cursor’s YOLO-Modus hingegen begann sich die Korrektheit zu kumulieren. Dies markierte den Beginn der nicht-interaktiven Entwicklung, bei der Spezifikationen und Szenarien Agenten steuern, die Code schreiben, Tests ausführen und sich autonom verbessern – ohne menschliche Überprüfung. Die erste Herausforderung war, wie weit man kommt, wenn man völlig ohne manuellen Code beginnt. Anfangs wenig erfolgreich, zeigte sich bald: Tests allein reichten nicht. Agenten neigten dazu, Tests durch „Trivialisierungen“ wie return true zu bestehen, was keine Generalisierung erlaubte. Die Lösung: eine Verschiebung von Tests zu Szenarien. Szenarien sind end-to-end-User-Stories, die außerhalb des Codebases gespeichert sind – ähnlich wie „Holdout-Set“ in der Modelltraining. Sie sind intuitiv verständlich für LLMs und erlauben flexible Validierung. Um diese Szenarien zu generieren und zu formen, entwickelte StrongDM eine synthetische Kuratierungsschnittstelle. Das entscheidende Paradigmenwechsel war die Einführung des Digital Twin Universe (DTU): Verhaltensklone von Drittanbieter-Diensten wie Okta, Jira, Slack, Google Docs, Drive und Sheets. Diese Twins replizieren nicht nur die APIs, sondern auch Edge-Cases und beobachtbare Verhaltensweisen. Damit können Tausende Szenarien pro Stunde simuliert werden – ohne Rate-Limits, ohne Kosten, ohne Sicherheitsrisiken. Die Validierung erfolgt nicht mehr durch starre Tests, sondern durch Zufriedenheit: der Anteil der Szenarien, die wahrscheinlich den Benutzerbedürfnissen entsprechen, gemessen über viele Ausführungswege. Dies macht die Bewertung robuster gegenüber „Reward-Hacking“ durch Modelle. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Ansätze war zuvor undenkbar. Ein hochfidelitätsfähiges In-Memory-Modell eines SaaS-Systems war technisch möglich, aber nie wirtschaftlich sinnvoll. Heute ist es Routine. Die Agentic Moment-Ära hat die Wirtschaft von Software grundlegend verändert: Was vor sechs Monaten als utopisch galt, ist nun Standard. Die Erfahrung von StrongDM zeigt: Um eine Softwarefabrik zu bauen, muss man bewusst naiv vorgehen – alte Gewohnheiten, Konventionen und Grenzen des Software 1.0 abschaffen. Die Technologie erlaubt nun, das zu tun, was früher als unmöglich galt. Industrieexperten sehen in diesem Ansatz einen Wendepunkt: Die klassische Softwareentwicklung, basierend auf manueller Codierung und statischen Tests, wird durch agente-basierte, empirisch validierte Systeme abgelöst. StrongDM positioniert sich als Pionier einer neuen Entwicklungsparadigmen, bei der die Software nicht mehr „geschrieben“, sondern „gezüchtet“ wird – durch LLMs, Szenarien und digitalen Zwillingen. Die Zukunft der Softwareentwicklung ist nicht nur automatisiert, sondern autonomen, selbstkorrigierenden, und von der menschlichen Interaktion weitgehend entkoppelt.
