Google testet KI in Coding-Interviews
Google passt seine Bewerbungsgespräche für Software-Ingenieure schrittweise an die zunehmende Rolle von künstlicher Intelligenz in der Entwicklung an. Interne Dokumente, die Business Insider vorliegen, zeigen, dass der Konzern in diesem Jahr mehrere KI-basierte Anpassungen im Hiring-Prozess getestet und breit angelegt hat. Dazu gehören ein neues Interview-Format, das Kandidatinnen und Kandidaten im Umgang mit KI bewertet, sowie der Einsatz von Googles Modell Gemini als Assistent während technischer Gespräche. Im Mittelpunkt steht dabei die Prüfung von KI-Kompetenz. Bereits im Mai berichtete Business Insider über einen Pilotversuch in ausgewählten Bereichen, bei dem eine neue Interviewform zur Code-Comprehension eingeführt wurde. Diese bewertet nicht nur klassisches Programmierverständnis, sondern auch Prompt Engineering und den sicheren Umgang mit KI-Werkzeugen. Während des Gesprächs dürfen Bewerber Gemini als Unterstützung nutzen. Die neuen Formate wurden laut den Dokumenten inzwischen breiter im Unternehmen ausgerollt, gelten aber weiterhin als Pilotphase. Die Anpassung folgt dem starken Wandel in der Softwareentwicklung. Google hatte im April mitgeteilt, dass rund drei Viertel des neu erzeugten Codes im Unternehmen von KI generiert und anschließend von Menschen überprüft werden. Diese Entwicklung prägt zunehmend die gesamte Tech-Branche und verändert auch die Anforderungen an neue Mitarbeitende. Für bestimmte Positionen, insbesondere im Bereich Software Engineering, gelten KI-Kompetenz und die Fähigkeit zur Integration von KI in Produkte laut den internen Unterlagen als Messgrößen für die Eignung von Kandidatinnen und Kandidaten. Ein Google-Sprecher bestätigte, dass KI-Kompetenz eine Mindestanforderung für alle Software-Engineering-Stellen sei. Die Bewertung von KI-Produktintegration werde für die meisten Positionen oberhalb von Einstiegsrollen verlangt. Neben dem Gesprächsprozess testet Google weitere KI-Funktionen. Dazu zählen Transkription und Notizerfassung während Vorstellungsgesprächen über Google Meet. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen daran, Interviewer mit Gemini beim Verfassen maßgeschneiderter Rückmeldungen zu unterstützen. Das Ziel ist eine schnellere und konsistentere Feedbackkultur. Mitarbeitende können an einzelnen Pilotprogrammen teilnehmen, erhalten aber zugleich klare Vorgaben. In einem internen Dokument warnt Google ausdrücklich davor, generative KI oder große Sprachmodelle für eigenständige Lösungen oder Agenten im Recruiting einzusetzen. Der Konzern will seine Interview-Prozesse kontrolliert anpassen und gleichzeitig verhindern, dass unkontrollierte externe Tools zum Einsatz kommen. Damit positioniert Google seinen Hiring-Prozess stärker im KI-Zeitalter. Der Konzern folgt damit einem breiten Branchentrend: Unternehmen wollen künftig nicht mehr nur klassische Programmierfähigkeiten prüfen, sondern auch bewerten, wie Bewerber KI-Systeme produktiv, kritisch und sicher einsetzen.
