Musk kämpft um Milliardengewinn und Roboterkontrolle
Elon Musk hat bei der dritten Quartalsbilanz von Tesla erneut die Debatte um seine milliardenschwere Vergütungspakete ausgelöst, die ihn theoretisch zum ersten weltweit trillionären Milliardär machen könnten, falls sie von den Aktionären am 6. November genehmigt werden. Musk betonte, dass er nicht aus finanziellen Gründen hinter dem Plan stehe, sondern vor allem um Einfluss auf die Unternehmensstrategie zu behalten – insbesondere für das Projekt Optimus, das er als „Robot Army“ bezeichnete. Aktuell verfügt er über etwa 13,5 Prozent Stimmrechte; das neue Paket würde ihm über zehn Jahre hinweg weitere 12 Prozent geben, was ihm eine Stimmrechtsposition von etwa 25 Prozent verschaffen würde. Diese Zahl sei für ihn „mittlerweile etwa ausreichend“, sagte er. Die Proxy-Berater Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis haben jedoch eine Ablehnung empfohlen, da sie Bedenken hinsichtlich der Wertsteigerung der Aktie und der Transparenz der Vergütungsbedingungen haben. Musk reagierte mit der Bezeichnung „corporate terrorists“ für beide Institutionen. Das Kernprojekt hinter der Forderung ist der Optimus-Roboter, dessen dritte Version (V3) Anfang nächsten Jahres vorgestellt werden soll. Musk sieht darin einen „unendlichen Geldschleuder“, der bis zu fünfmal produktiver als ein Mensch sein könnte und sogar als Chirurg eingesetzt werden könnte. Er beschrieb den Roboter als so realistisch, dass man ihn erst durch einen physischen Test überzeugen müsse, dass er kein Mensch sei. Obwohl solche Aussagen typisch für Musk sind und oft überzogen wirken, bleibt das Projekt ein zentraler Baustein seiner Vision für eine künstliche Intelligenz-gesteuerte Zukunft. Parallel dazu setzt Tesla verstärkt auf autonomes Fahren. Musk kündigte an, dass Tesla seine Robotaxis bis Ende des Jahres in acht bis zehn Großstädten wie Nevada, Florida und Arizona betreiben werde – zunächst mit Sicherheitsfahrern. Aktuell läuft der Dienst in Austin und San Francisco, wo Fahrer weiterhin zur Überwachung vor Ort sind. Trotz regulatorischer Herausforderungen und rechtlicher Hürden bleibt Musk optimistisch: Er sei „100 Prozent sicher“, dass Tesla vollständig autonomes Fahren ohne menschliche Überwachung erreichen werde – mit einer Sicherheit, die sogar menschliche Fahrer übertrifft. Besonders hervorhebenswert sei die Fähigkeit der Fahrzeuge, leere Parkplätze dank 360-Grad-Sicht und fortschrittlicher KI besser zu erkennen als Menschen. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Waymo, das bereits in fünf Regionen operiert und weitere fünf plant, bleibt Tesla hinterher, doch Musk betont, dass die KI-Intelligenz pro Gigabyte bei Tesla „eine Größenordnung besser“ sei als bei anderen. Die Aussage, dass die Fahrzeuge „zu intelligent“ werden und „sich langweilen“ könnten, unterstreicht wiederum seine neigungsbedingte Spekulation über die Zukunft der KI. Trotz eines Rekordvolumens an Fahrzeuglieferungen im dritten Quartal blieb der Gewinn unter Druck, was Musk teilweise auf die von Trump verhängten Zölle zurückführte – ein Thema, das er auch politisch aktiv verfolgt hat. Mit dem Wegfall des US-EV-Steuerabzugs wird die Wachstumsschraube für Tesla enger. Daher rückt die KI- und Robotikstrategie immer stärker in den Fokus, um das Unternehmen langfristig wertvoll zu halten. Die Earnings Call diente somit nicht nur als Finanzbericht, sondern als Botschaft: Tesla will nicht nur Elektroautos, sondern die Zukunft der künstlichen Intelligenz und Automatisierung prägen. Bewertung durch Branchenexperten: Musk’s Vision bleibt ambitioniert, doch die Realisierbarkeit bleibt umstritten. Branchenexperten warnen vor zu hohen Erwartungen, insbesondere hinsichtlich der Fertigstellung des Robotaxi- und Optimus-Programms. Die Kritik an der Vergütungspolitik ist jedoch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch strukturell: Viele Investoren sehen in der mächtigen Stimmrechtskonzentration ein Risiko für Unternehmensgovernance. Dennoch bleibt Tesla ein zentraler Player in der KI- und Autonomie-Debatte. Die Fähigkeit, technologische Versprechen in marktfähige Produkte umzusetzen, wird entscheidend sein – nicht nur für Musk, sondern für die gesamte Branche.
