OpenAI weicht von Microsoft ab und dreht Amazon den Rücken
OpenAI hat seine strategische Ausrichtung deutlich verändert und sich von einer engen Partnerschaft mit Microsoft zu einer aggressiveren Einbindung von Amazon gewandt. Dies wurde deutlich, als das Unternehmen bekanntgab, dass seine KI-Modelle nun auch auf der Amazon Web Services-Plattform (AWS) verfügbar sein werden. Denise Dresser, Chief Revenue Officer bei OpenAI, betonte gegenüber CNBC, dass diese Vereinbarung nichts mit einer vorangegangenen Umstrukturierung der Beziehungen zu Microsoft zu tun habe. Sie versicherte, dass die beiden Entwicklungen unabhängig voneinander seien. Analysten stehen dieser Darstellung jedoch skeptisch gegenüber. Seit der erneuten Kapitalisierung im Oktober 2023, bei der Microsoft 27 % der gewinnorientierten Seite von OpenAI erwarb, hat sich die Dynamik gewandelt. Ursprünglich verpflichtete sich OpenAI dazu, zusätzliche Azure-Dienste in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar zu nutzen. Zudem sollte ein Umsatzbeteiligungsmodell bis zur Entwicklung künstlicher Allgemeiner Intelligenz (AGI) bestehen. Inzwischen hat OpenAI jedoch die Beziehungen zu Amazon intensiviert, dem größten Konkurrenten von Microsoft im Cloud-Sektor. Bereits im November vereinbarte OpenAI eine Verpflichtung von 38 Milliarden US-Dollar für AWS, und im Februar kündigte Amazon eine Investition von 50 Milliarden US-Dollar an. Im Gegenzug wird OpenAI die Trainingschips von Amazon nutzen. Zudem arbeiten beide Unternehmen an gemeinsam entwickelten Modellen, und die Ausgabenverpflichtung für AWS wurde um weitere 100 Milliarden US-Dollar erweitert. Diese jüngsten Entwicklungen markieren den deutlichsten Beweis für einen dramatischen Wandel in der jahrzehntelangen Beziehung zwischen Microsoft und OpenAI. Die Partnerschaft, die 2016 begann und Microsoft zu einem exklusiven Cloud-Anbieter machte, lockert sich. Microsoft nannte OpenAI bereits 2024 in seinen Finanzberichten als Wettbewerber und verlor den Status als alleiniger Cloud-Provider. Ein internes Memo von Dresser bestätigte zwar die Bedeutung von Microsoft als ursprünglichen Partner, wies aber darauf hin, dass die Partnerschaft die Möglichkeiten, Kunden dort abzuholen, wo sie arbeiten, eingeschränkt habe. Die aktuelle Vereinbarung sieht eine Beendigung von Microsofts exklusive Lizenz für OpenAI-Intellektuelles Eigentum und der Umsatzbeteiligung vor. Microsoft wird zudem nicht mehr der alleinige Cloud-Provider für API-Produkte sein, die von Drittanbietern entwickelt werden. Analysten von UBS bewerten dies als eine Situation, in der Microsoft mehr Zugeständnisse gemacht hat als Gewinne erzielt. Trotz der Spannungen bleiben beide Parteien aufeinander angewiesen. Während Microsoft versucht, sich von OpenAI zu lösen, indem es auch Modelle von Anthropic in seinen Produkten wie Copilot einbindet, benötigt OpenAI weiterhin die Rechenkapazität aller großen Cloud-Anbieter. Anthony Liguori von AWS gab sogar an, dass sein Team die Entwicklung auf OpenAI-Modelle verlagert hat, da die Zuverlässigkeit von Anthurpics Modulen leidet. Die Realität zeigt, dass die Kapazitätsengpässe alle Beteiligten dazu zwingen, miteinander zu kooperieren, auch wenn die strategische Allianz zwischen OpenAI und Microsoft zunehmend fluid wird.
