Alphabet erhöht Schulden, um AI-Expansion zu finanzieren – riskiert Werbeumsatz
Alphabet ist dabei, erneut auf den Anleihenmarkt zu gehen, um die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) zu finanzieren, und warnt gleichzeitig vor neuen Risiken, die mit der KI-Revolution verbunden sind. In seiner jüngsten Jahresberichterstattung vor der SEC räumt das Unternehmen ein, dass die steigende Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Training und -Inferenz sowie klassische Cloud-Dienste zu erheblichen Kosten und operativen Komplexitäten führen könnte. Besonders kritisch sieht Alphabet die Risiken aus langfristigen Mietverträgen mit Drittanbietern, die nicht nur die Ausgaben erhöhen, sondern auch die Haftung im Falle von Ausfällen durch die eigene Firma, Partner oder Lieferanten steigern. Als Teil seiner KI-Strategie plant Alphabet, bis zu 20 Milliarden US-Dollar über eine Anleiheemission aufzunehmen – eine Erhöhung gegenüber ursprünglich geplanten 15 Milliarden. Die Emission soll in vier Tranchen erfolgen, darunter eine 100-jährige Anleihe in Pfund Sterling, die bereits fünfmal überzeichnet ist. Die letzte große Anleihe im November hatte 25 Milliarden Dollar eingebracht; das langfristige Fremdkapital stieg damit 2025 auf 46,5 Milliarden Dollar – ein vierfacher Anstieg. Der CFO, Anat Ashkenazi, betonte auf der Ergebnispräsentation, dass die Investitionen fiskalisch verantwortungsvoll erfolgen sollen, ohne die finanzielle Stärke des Unternehmens zu gefährden. CEO Sundar Pichai nannte jedoch „Rechenleistung“ als größte Sorge: „Energie, Land, Lieferketten – wie bringen wir die Infrastruktur schnell genug auf den Markt, um dieser außergewöhnlichen Nachfrage gerecht zu werden?“ Die Investitionen in KI steigen bei Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon insgesamt um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Rekordniveau von 2025. Dazu gehören teure Chips, neue Rechenzentren und fortschrittliche Netzwerktechnologie. Im Mittelpunkt der Google-KI-Strategie steht das große Sprachmodell Gemini, das nun mehr als 750 Millionen monatlich aktive Nutzer zählt – ein Anstieg von 650 Millionen im Vorquartal. Doch mit der zunehmenden Nutzung generativer KI steigt auch die Angst, dass Nutzer weniger Suchanfragen stellen könnten, was die Kerngeschäftssäule des Unternehmens – die Werbung – gefährden könnte. Erstmals erwähnt Alphabet in seinem Risikobereich explizit, dass es nicht sicher ist, ob es die Veränderungen im Nutzerverhalten erfolgreich bewältigen wird. Trotzdem blieb die Werbeeinnahmen im vierten Quartal mit 82,28 Milliarden Dollar um 13,5 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Google bleibt damit in der Lage, KI-Investitionen voranzutreiben, ohne die Profitabilität zu gefährden. Branchenexperten sehen in Alphabets Schritt eine klare Strategie: Die Investitionen in Infrastruktur sind notwendig, um im Wettbewerb mit Microsoft und OpenAI bestehen zu können. Die Fähigkeit, hohe Kapitalausgaben langfristig zu tragen, unterstreicht die finanzielle Stärke des Konzerns. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob die KI-Transformation die Werbe- und Suchgeschäfte dauerhaft verdrängt – ein Risiko, das Alphabet nun transparent macht.
