Bank-CFO nutzt KI-Clone für Quartalsbericht
Der Kundenbank-Chef Sam Sidhu hat während einer Earnings-Call im ersten Quartal etwas Außergewöhnliches inszeniert: Er sprach selbst nicht, sondern ließ seinen KI-Klon seine vorbereiteten Remarks vorlesen. Sidhu bezeichnete dies als potenziellen ersten Fall in der Geschichte von Unternehmens-Gewinnpräsentationen. Das Ziel des Stunts war es, die strategische Wendung der Kundenbank, eines Kreditinstituts mit 25,9 Milliarden Dollar Vermögenswerten, hin zu künstlicher Intelligenz deutlich zu machen. Infolge dieser Offenbarung hat die Bank jetzt eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI geschlossen. Laut exklusiven Informationen von CNBC wird OpenAI Ingenieure direkt in die Kundenbank integrieren, um Prozesse wie Kreditvergabe und Kundenanmeldung zu automatisieren. Diese Maßnahme ist Teil von Sidhus Strategie, der Konkurrenz im Bereich der Banken-Transformation durch KI-Agenten, die als neue digitale Belegschaft fungieren sollen, voraus zu sein. Der Fokus liegt auf der Automatisierung zentraler Bankprozesse, um beispielsweise Kreditlaufzeiten von Wochen auf Tage zu verkürzen, ohne gleichzeitig das Personal in gleichem Maße auszudehnen. Während viele Banker KI allgemein als Produktivitätssteigerung beschreiben, verknüpft Sidhu dies direkt mit finanziellen Zielvorgaben. Sidhu teilte mit, dass das Projekt das Effizienzverhältnis der Bank von rund 49 Prozent auf unter 43 Prozent senken und die Renditen ab dem nächsten Jahr steigern soll. Die Zusammenarbeit mit OpenAI, das den Finanzsektor als Kernindustrie identifiziert und ehemalige Banker eingestellt hat, soll symbiotisch sein. Das Ziel ist es, gemeinsam durchgängig automatisierte, agentenbasierte Workflows für Kreditgeschäfte, Einlagen und Zahlungen zu entwickeln, die potenziell auch an andere Banken verkauft werden können. OpenAI bezeichnete die Partnerschaft als wichtigen Schritt, um ein intelligenteres Betriebsmodell zu etablieren, das Mitarbeiter befähigt und den Kundenservice stärkt. Die Kundenbank plant, über die nächsten sechs bis zwölf Monate KI-Agenten in allen genannten Bereichen einzuführen. Gelingt dies, sollen kommerzielle Kredite von 30 bis 45 Tagen auf etwa sieben Tage verkürzt werden, da die Unterlegung, Dokumentensammlung und rechtlichen Verhandlungen automatisiert ablaufen. Die Eröffnung komplexer Geschäftskonten, die derzeit mehr als einen Tag dauert, soll auf unter 20 Minuten sinken. Diese autonomen digitalen Arbeiter arbeiten rund um die Uhr. Im Vergleich zu Großbanken wie der JPMorgan Chase mit 4,9 Billionen Dollar Vermögen sieht Sidhu einen Wettbewerbsvorteil der Kundenbank. Megakonzerne haben komplexe globale Strukturen und strenger regulatorische Anforderungen an die KI-Einführung. Kleinere Banken müssen nicht die gleichen Rahmenbedingungen erfüllen und können agiler sein, wobei Aufsichtsbehörden regionalen Banken oft eine bessere Wettbewerbsfähigkeit mit größeren Instituten zubilligen. Die Bank nutzt KI bereits, um die Hälfte ihres Softwarecodes zu schreiben, und hat bisher 28.000 Arbeitsstunden gespart, was der Einstellung von etwa 15 Vollzeitkräften entspricht. Dies soll die Einstellung verlangsamen und die Umsätze pro Mitarbeiter steigern. Zudem werden neue Geschäftsfelder erschlossen, die zuvor aufgrund hoher Kosten unerschwinglich waren. Im Gegensatz zu typischen Softwarelizenzvereinbarungen arbeiten beide Seiten gemeinsam an der Entwicklung neuer Tools. OpenAI gewinnt dabei reale Anwendungsfälle in einem regulierten Finanzinstitut, während die Kundenbank Risiken senkt und ihren Investoren sowie Kunden zugutekommt.
