VC investiert nicht in AI-Coding, doch auf diese Gründer
Jussi Salovaara, Mitbegründer und Managing Partner des Startup-Beschleunigers Antler Asia, hat angekündigt, dass er nicht in neue KI-basierte Unternehmen für das programmieren per Sprachbefehl, auch als Vibe Coding bezeichnet, investieren wird. Obwohl Salovaara über eine Anlageerfahrung von mehr als 600 Unternehmen verfügt und etwa 72 Millionen Dollar verwaltet, hat er bewusst auf diese spezifische Kategorie verzichtet. Er begründet seine Entscheidung damit, dass der Markt für Vibe-Coding bereits stark gesättigt ist und für neue Marktteilnehmer kaum noch Differenzierungsmöglichkeiten bestehen. Laut Salovaara sind die wichtigsten Wettbewerber bereits etabliert und investieren massiv in ihre Technologien. Er bezweifelt, wie sich ein neues Startup gegen die rasante Entwicklung der Branche verteidigen kann. Wenn große Technologieunternehmen wie Anthropic wöchentlich neue Produktupdates bereitstellen, oder wenn die Kosten für die zugrundeliegenden KI-Modelle drastisch steigen, sieht er kaum Überlebenschancen für junge Wettbewerber. Die Branche befindet sich derzeit in einer Phase, die zu einer Konsolidierung führen wird. Salovaara prognostiziert, dass sich nur wenige große Anbieter durchsetzen und kleinere Unternehmen aufkaufen werden, um ihre Marktposition zu sichern. Trotz der Skepsis gegenüber reinen Coding-Startups ist Antler Asia weiterhin aktiv und verfolgt eine andere Strategie. Salovaara sucht gezielt nach Unternehmen, deren Gründer über tiefgehende Fachkenntnisse in spezifischen Branchen verfügen. Das Ziel ist die Kombination aus fortgeschrittener KI-Fähigkeit und branchenspezifischer Expertise. Beispiele für dieses Konzept sind Firmen, die sich auf Automobilherstellung oder fortschrittliche Fertigungsprozesse konzentrieren. Ein konkretes Portfoliounternehmen ist IndustrialMind.ai, gegründet von ehemaligen Tesla-Mitarbeitern, das eine KI entwickelt, um Fabrikabläufe und Prozessengineering zu optimieren. Ein weiteres Beispiel ist ein Startup von ehemaligen Filmemachern, das Videobearbeitungswerkzeuge für professionelle Kollegen erstellt. Salovaara kritisiert oft Projekte, bei denen Gründer ohne langjährige Erfahrung in der Zielszene an Lösungen arbeiten. Er stellt die Frage, ob die Verbesserungen der zugrundeliegenden Basismodelle das Produkt wirklich vorantreiben oder ob es das Geschäftsmodell nicht sogar verdrängen. Seine Philosophie lautet, dass echte Innovation entsteht, wenn technologische Fortschritte von fundiertem Branchenwissen geleitet werden. Nicht alle großen Beschleuniger teilen diese zurückhaltende Haltung gegenüber KI-Coding. Programme wie Y Combinator und Andreessen Horowitz mit ihrem Speedrun-Programm setzen weiterhin auf diese Kategorie und haben neue Startups für KI-Coding-Agenten und App-Baukästen in ihren neuesten Runden aufgenommen. Dennoch bleibt die Einschätzung von Antler Asia ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bewertung des Vibe-Coding-Sektors von Investoren unterschiedlich ausgelegt wird und dass der Fokus zunehmend auf spezialisierten, branchenintegrierten Anwendungen liegt, die über reine Codegenerierung hinausgehen.
