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vor 2 Monaten
Generative KI

Autorsin verklagt Grammarly wegen AI-Edition

Journalistin Julia Angwin hat eine Sammelklage gegen Grammarly eingereicht, nachdem das Unternehmen eine umstrittene KI-Funktion eingeführt hatte, die ohne Zustimmung verschiedener Autoren deren Namen und Stile nutzte. Die Funktion „Expert Review" simulierte editorisches Feedback, das fälschlicherweise von bekannten Persönlichkeiten wie Stephen King, dem verstorbenen Wissenschaftler Carl Sagan und der Tech-Journalistin Kara Swisher zu stammen schien. Angehört werden nicht nur diese prominenten Namen, sondern Hunderte von Experten, deren Identitäten ohne Einwilligung für ein Premium-Abonnement von 144 US-Dollar pro Jahr kommerziell verwertet wurden. Angwin, deren Karriere sich mit der Untersuchung von Datenschutzverletzungen durch Tech-Konzerne befasst, sieht in diesem Vorgehen eine Verletzung ihrer Persönlichkeits- und Öffentlichkeitsrechte. In einer Stellungnahme betonte sie, dass sie Jahrzehnte damit verbracht habe, ihre Fähigkeiten als Schriftstellerin und Editorin zu verfeinern, und nun schockiert sei, dass ein Technologieunternehmen eine unautorisierte, betrügerische Version ihrer erworbenen Expertise verkauft. Ironischerweise war auch die AI-Ethikerin Timnit Gebru in die Liste der betroffenen Experten aufgenommen worden. Unabhängig von den rechtlichen Bedenken stießen die KI-generierten Texte bei den Betroffenen und Nutzern auf massive Kritik. Casey Newton, Gründer der Tech-Newsletter-Serie „Platformer", testete die Funktion, indem er einen seiner Artikel eingab und Feedback als Kara Swisher erhielt. Die von der KI generierte Kritik entpuppte sich als so oberflächlich und generisch, dass sie den eigentlichen Zweck der Funktion in Frage stellt. Der vorgebliche Rat lautete beispielsweise: „Könnten Sie kurz vergleichen, wie tägliche KI-Nutzer versus KI-Skeptiker Risiken artikulieren, um eine durchgehende Linie für die Leser zu schaffen?" Nachdem Newton den Inhalt dieser KI-Imitation der echten Kara Swisher übermittelt hatte, reagierte diese verärgert. Sie bezeichnete das Unternehmen als „gierige Diebe von Informationen und Identität" und sagte wörtlich: „Auch ihr seid schrecklich." In Reaktion auf die negative öffentliche Stimmung hat der Mutterkonzern von Grammarly, Superhuman, die „Expert Review"-Funktion kurzzeitig deaktiviert. CEO Shishir Mehrotra entschuldigte sich öffentlich auf LinkedIn, blieb jedoch in seiner Haltung gegenüber dem Konzept defensiv. Er verteidigte die Idee, dass Experten so eine weitreichende Verbindung zu Nutzern aufbauen könnten. In seiner Erklärung verglich Mehrotra die Funktion damit, einen Professor zu haben, der den Aufsatz schärft, einen Vertriebsleiter, der eine Kundenpräsentation formt, oder einen Kritiker, der Argumente herausfordert, und behauptete, dies sei eine Chance für Experten, eine ähnliche Präsenz wie Grammarly selbst zu erreichen. Der Vorfall wirft jedoch weitreichende Fragen zur ethischen Nutzung von KI und zum Schutz geistigen Eigentums auf.

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