Infosys-Altchef Sikka startet KI-Startup zur IT-Disruption
Vishal Sikka, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Infosys, hat mit Hang Ten Systems ein neues Startup gegründet, das die IT-Beratungsbranche durch KI-gesteuerte Softwareentwicklung herausfordern will. Das Unternehmen hat eine Startfinanzierung in Höhe von 32 Millionen US-Dollar gesichert, die von Mayfield geleitet wurde. Zusätzlich fließen Mittel von Aramco Ventures sowie von privaten Investoren in die Kasse. Jerry Yang, Mitgründer von Yahoo, sitzt im Verwaltungsrat. Hang Ten Systems soll Unternehmen dabei unterstützen, Software kontinuierlich mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung zu entwickeln, anzupassen und zu betreiben. Im Fokus stehen autonome Code-Generierung sowie wiederverwendbare KI-Kompetenzen, die auf tiefer Branchenexpertise basieren. Das Geschäftsmodell unterscheidet sich explizit von Sikkas früherem Unternehmen VianAI, das sich auf Enterprise-Analytics und Entscheidungstools konzentrierte. Nach Angaben von Mayfield-Mitgründer Navin Chaddha wächst der operative Hebel von Hang Ten mit jedem abgeschlossenen Projekt, während klassische IT-Dienstleister traditionell linear mit steigendem Personalbestand skalieren. Das Startup mit Sitz in der kalifornischen Bay Area verzeichnet bereits erste Kunden wie Siemens Gamesa Renewable Energy und Fresenius. Das Kernteam besteht aus erfahrenen Branchenexperten, die Sikka bereits aus seiner Zeit bei SAP, Infosys und VianAI kennen. Dazu gehören CTO Navin Budhiraja, Chief Design Officer Sanjay Rajagopalan und Senior Vice President of Forward Deployed Engineering Tao Liu. Das Unternehmen stellt derzeit weltweit in den Bereichen Delivery, Engineering und Vertrieb ein und plant eine internationale Expansion, um den wachsenden Bedarf des Enterprise-Segments zu bedienen. Sikkas Schritt kommt in einem Markt, in dem sich etablierte IT-Dienstleister wie Infosys durch Kooperationen mit führenden KI-Unternehmen an die disruptive Technologie anpassen. Die Branche befindet sich in einer intensiven Debatte über die ökonomischen Folgen der Künstlichen Intelligenz. Während Analysten der Investmentbank Jefferies die IT-Dienstleistungsbranche als eines der ersten Sektoren mit signifikantem Diskruptionspotenzial einstufen, geht Infosys-Vorsitzender Nandan Nilekani davon aus, dass KI das adressierbare Marktvolumen erheblich erweitern wird. Das eigene Unternehmen positioniert KI-First-Services bis 2030 sogar als einen potenziellen Markt von 300 bis 400 Milliarden US-Dollar. Vor diesem Hintergrund bewertet der Kapitalmarkt die traditionellen Dienstleister neu, was sich unter anderem in einem Kursverfall der Infosys-Aktie um mehr als 35 Prozent in diesem Jahr widerspiegelt. Mit Hang Ten Systems setzt Sikka darauf, dass eine rein KI-native Architektur die traditionellen Lieferketten der IT-Branche nachhaltig verändern wird.
