US-Softwareaktien verlieren wegen KI-Befürchtungen eine Billion Dollar
Anhaltendes Abschwächen der US-Softwareaktien setzte sich am Donnerstag fort und erreichte eine neue Tiefstmarke: Innerhalb einer Woche verloren die Wertpapiere von Software- und Daten-Dienstleistern rund eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung. Der Rückgang war das Ergebnis wachsender Befürchtungen, dass sich die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) grundlegend auf die Branche auswirken und etablierte Geschäftsmodelle gefährden könnte. Besonders betroffen waren Unternehmen, die auf Lizenzverkäufe, On-Premise-Software oder traditionelle Datenmanagement-Lösungen setzen – Bereiche, die durch KI-gestützte Automatisierung und generative Tools wie ChatGPT, GitHub Copilot oder neue Sprachmodelle zunehmend obsolet erscheinen. Die Sorge der Anleger konzentrierte sich auf die Möglichkeit, dass Unternehmen künftig weniger Software kaufen müssen, da KI-Tools zunehmend selbstständig Code schreiben, Daten analysieren oder komplexe Prozesse optimieren können. Dies würde die Nachfrage nach teuren, langfristigen Lizenzverträgen stark verringern. Unternehmen wie Microsoft, Adobe, Oracle und Salesforce wurden besonders stark unter Druck gesetzt, obwohl sie selbst an der Spitze der KI-Entwicklung stehen. Ihr eigenes Wachstum wird nun von der Frage bestimmt, ob sie ihre bestehenden Produkte erfolgreich in KI-Plattformen umwandeln können. Zusätzlich trübten sich die Aussichten durch eine allgemeine Verlangsamung der Wirtschaftsentwicklung, steigende Zinsen und eine zunehmende Skepsis gegenüber hohe Bewertungen in der Tech-Branche. Viele Investoren, die in den letzten Jahren auf die Digitalisierung und Cloud-Transformation gesetzt hatten, beginnen nun, die Langfristigkeit dieser Trends in Frage zu stellen – besonders wenn KI die Notwendigkeit für traditionelle Softwarelösungen reduziert. Die Börse reagierte mit einem massiven Verkaufsdruck, der sich über mehrere Tage hinweg verstärkte. Die Nasdaq-100-Index, der viele Softwareunternehmen enthält, verlor in der Woche mehr als 5 Prozent, während spezialisierte Software-ETFs deutlich unter dem Durchschnitt litten. Analysten warnen, dass die Branche in einer Phase der Umstrukturierung steckt, in der nur jene Unternehmen überleben werden, die ihre Produkte schnell in KI-fähige Dienstleistungen umstellen können. Unternehmen wie Palantir und Snowflake, die sich früh auf KI-Integration spezialisiert haben, zeigten dagegen eine stärkere Resilienz. Auch Microsoft, das mit Azure und OpenAI eng kooperiert, konnte die Verluste begrenzen – allerdings nur teilweise. Die Marktteilnehmer sehen nun einen strukturellen Wandel: Die Ära der reiner Software-Lizenzierung scheint zu enden, während der Wert von Plattformen, Datenzugang und KI-Infrastruktur zunimmt. Industrieexperten betonen, dass die KI-Revolution zwar kurzfristig Turbulenzen auslöst, aber langfristig neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnet. „Die Angst vor KI ist real, aber nicht unüberwindbar“, sagt ein Analyst von JPMorgan. „Wer die Technologie nicht nutzt, wird verdrängt. Wer sie nutzt, kann neue Märkte erschließen.“ Die Branche steht vor einer tiefgreifenden Transformation, bei der Innovationsgeschwindigkeit und strategische Flexibilität entscheidend sein werden.
