ChatGPT bald mit Werbung? So könnte sie aussehen
ChatGPT feiert sein drittes Lebensjahr – und bleibt weiterhin werbefrei. Doch das könnte sich ändern. Zwar hat OpenAI-Chef Sam Altman vor einem Jahr noch gesagt, Werbung sei „eklig“, doch inzwischen lässt er offen, dass das Unternehmen möglicherweise „coole Werbeprodukte“ entwickeln könnte. Hinweise darauf, dass Werbung bald kommen könnte, stammen aus dem Code der Android-App, den Entwickler Tibor Blaho entdeckt hat. Obwohl es sich um versteckte Funktionen handeln könnte, die nie freigegeben werden, deutet vieles darauf hin, dass OpenAI langfristig Werbung in ChatGPT integrieren wird. Die Logik ist einfach: Mit rund 800 Millionen wöchentlichen Nutzern und nur einem geringen Anteil an Abonnenten braucht OpenAI neue Einnahmequellen. Die bisherige Gratisversion ist nicht nachhaltig, wenn man die hohen Betriebskosten von KI-Infrastruktur bedenkt. Dass Werbung in ChatGPT nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist, untermauern auch strategische Personalentscheidungen: OpenAI hat mehrere Ex-Meta-Mitarbeiter eingestellt, die mit digitaler Werbung und Nutzerverhalten bestens vertraut sind. Zudem zeigen Fokusgruppen von The Information, dass viele Nutzer bereits annehmen, dass Werbung in den Antworten eine Rolle spielt – ein Zeichen dafür, dass die Erwartungshaltung sich verändert. Aber wie könnte Werbung in einem reinen Antwort-System aussehen? Im Gegensatz zu Suchmaschinen oder sozialen Medien gibt es keine „Feed“-Struktur. Drei Modelle sind denkbar: Erstens die Google-ähnliche Suchintentionswerbung, bei der Nutzeranfragen wie „beste Kamera“ mit bezahlten Empfehlungen kombiniert werden. Zweitens personalisierte Werbung basierend auf dem, was ChatGPT über Nutzer weiß – ein Meta-Modell, das aber große Datenschutzbedenken aufwirft. Drittens einfache Textlinks, etwa „Empfohlen: Dieser Toaster wird gesponsert“, ähnlich Affiliate-Marketing. Vielleicht auch multimediale Werbung: Mit Sora kann ChatGPT bereits Videos erzeugen, und der von Jony Ive entwickelte „magische“ Gerätetyp könnte Werbung in Sprache, Bild oder Video übertragen – ohne Bildschirm. Doch die größte Herausforderung ist nicht die Technik, sondern das Vertrauen. Wenn Nutzer nicht mehr sicher sind, ob eine Antwort objektiv ist oder von einem Sponsor beeinflusst wurde, könnte das Vertrauen in die KI zerstört werden. OpenAI steht vor einem Dilemma: Einnahmen sind nötig, aber die Integrität des Produkts ist entscheidend. Die Firma könnte deshalb vorsichtiger vorgehen, als erwartet. Die Einführung von Werbung wird wohl nicht abrupt erfolgen, sondern schrittweise, mit klaren Kennzeichnungen und möglicherweise einer getrennten, werbefreien Premium-Version. Industrieexperten warnen: Werbung in KI-Systemen ist riskanter als in klassischen Plattformen, weil die menschliche Wahrnehmung von Authentizität und Objektivität stärker gefährdet ist. OpenAI muss hier nicht nur technisch, sondern ethisch und kommunikativ exakt vorgehen. Die Erfahrung zeigt: Ein Vertrauensverlust ist schwer wieder gutzumachen.
