KI-Gesundheitsfragen deuten auf Angst bei Jugendlichen
Eine aktuelle Studie der University of Florida, veröffentlicht im Journal of Counseling & Development, untersucht den Zusammenhang zwischen der Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz zur Beantwortung gesundheitlicher Fragen und der psychischen Gesundheit junger Erwachsener. An der großangelegten US-Studie, deren Daten zwischen 2023 und 2024 erhoben wurden, nahmen nahezu 100.000 Teilnehmer teil. Die Auswertung durch Yusen Zhai, Assistenzprofessor an der University of Florida College of Education, zeigt, dass Personen, die Generative-AI-Tools wie ChatGPT oder Claude für Gesundheitsanfragen nutzen, eine um 52 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, klinisch bedeutsame Ängste zu screenen, und eine um 46 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für Depressionen. Bei den Nutzern lag der Prozentsatz der positiven Tests auf Angststörungen bei rund 52 Prozent im Vergleich zu 43 Prozent bei Nichtnutzern, bei Depressionen bei 47 Prozent gegenüber 38 Prozent. Diese Korrelation bestand nach Kontrolle von Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und sozioökonomischem Status weiterhin. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass die Ergebnisse eine Assoziation, jedoch keine Kausalität belegen. Es ist unklar, ob der Konsum von KI-generierten Gesundheitsinformationen psychische Belastungen verursacht oder ob Personen mit vorbestehenden Ängsten und Depressionen häufiger zu digitalen Assistenten greifen. Ein möglicher Mechanismus, der durch die konversationale Natur generativer KI ermöglicht wird, könnte jedoch zur Verstärkung von Gesundheitsängsten beitragen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Suchmaschinen, die Linklisten generieren, fassen KI-Systeme Informationen zusammen und geben direkte, oft selbstbewusste Antworten auf Folgefragen. Dies kann bei Nutzern ein Feedback-Loop auslösen: Unklare Symptome führen zu einer Anfrage, die Antwort erzeugt neue Unsicherheiten, die zu weiteren Fragen und schließlich zu zwanghaftem Grübeln oder der Verstärkung von Ängsten führen. Zudem fällt es Laien schwer, ungenaue oder irreführende Informationen zu erkennen, wenn diese in plausibel wirkende, flüssige Formulierungen eingebettet sind. Angesichts der frühen Phase der weitläufigen Verbreitung generativer KI im Untersuchungszeitraum gelten die Befunde als frühe Indizien für ein wachsendes Phänomen. Die Forschungsergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, digitale Gesundheitskompetenz und KI-Literacy gezielt zu fördern. Yusen Zhai empfiehlt Nutzern, auf ihre emotionale Reaktion nach KI-Kontakten zu achten. Während Gespräche, die zu konstruktiven nächsten Schritten führen, als positiv gewertet werden können, weisen interaktive Zyklen, die wiederholte Rückversicherung einfordern, auf ein potenzielles Risiko hin. Gleichzeitig raten Experten, dass psychische Gesundheitsfachkräfte in der Therapie aktiv den KI-Gebrauch ihrer Patienten erfragen und bei der Einordnung der erhaltenen Informationen unterstützen. Auch Hochschulen sollten entsprechende Schulungen in ihre AI-Literacy-Programme integrieren, um kritische Quellenbewertung und das Verständnis für die Grenzen generativer Systeme zu vermitteln. Letztlich zeigt die Studie, dass das Problem nicht die Technologie an sich ist, sondern vielmehr die Art und Weise ihrer Anwendung. Die verantwortungsvolle Integration generativer KI in den Gesundheitsalltag erfordert daher transparente Aufklärung, bewusste Nutzungsstrategien und die Förderung kritischer Reflexion.
