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AWS im AI-Wettlauf zurück – aber nicht am Ende

Amazon Web Services (AWS) wird in der aktuellen AI-Cloud-Rangliste als letzter Platzierter gesehen, was Wall Street besorgt stimmt. Analyst Mark Shmulik von Bernstein zufolge ist die Position von AWS in der künstlichen Intelligenz-Entwicklung schwer zu bestreiten: Die Wachstumsraten der Einnahmen stagnieren, die GPU-Kapazität bleibt begrenzt, und viele AI-Startups weichen auf Microsoft Azure oder Google Cloud aus. Besonders auffällig ist, dass Microsoft mit seiner frühen Partnerschaft mit OpenAI und Google mit seiner integrierten AI-Strategie – inklusive eigenen Modellen wie Gemini, speziellen Chips (TPUs) und geringeren Kapazitätsproblemen – deutlich vorne liegt. Shmulik betont, dass der Aufstieg generativer KI die Regeln des Cloud-Marktes grundlegend verändert hat: Startups investieren nun in spezialisierte „AI-Neoclouds“, und der Wettbewerb um Rechenleistung, Datenzentren und GPUs ist extrem teuer. Infolge dessen ist Amazon seit Jahresbeginn der klare Verlierer im Aktienkursvergleich mit Microsoft und Google. Doch ein Rückstand in der AI-Entwicklung ist kein unvermeidliches „Todesschicksal“, wie Shmulik betont. Historisch gesehen war der Einstieg in neue Technologien für etablierte Player oft kritisch – MySpace und Netscape gingen unter, als sie nicht reagierten. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Meta hat sich nach dem Aufstieg von TikTok stabilisiert, und Google hat sich von der ersten Schockwelle durch ChatGPT erholt. Shmulik sieht in AWS die gleiche Chance: Wenn das Unternehmen eine Wende schafft, könnte die Stimmung sich vor dem kommenden AWS re:Invent-Kongress grundlegend ändern. Bereits gibt es Anzeichen für eine Besserung. AWS verzeichnete im zweiten Quartal sein zweitbestes Wachstum an neuen Nettoeinnahmen – ein signales Zeichen. Zwar bleibt die Kapazität noch eingeschränkt, doch die Engpässe beginnen sich zu lockern. Die Partnerschaft mit dem AI-Startup Anthropic, zu der Amazon mindestens 8 Milliarden US-Dollar investiert hat, wird als zentraler Wachstumstreiber gesehen. Gemeinsam arbeitet man an „Project Rainier“, einem neuen Supercomputer, der auf Amazon-entwickelten AI-Chips basiert. Bisher war Google der Haupt-Compute-Provider für Anthropic, insbesondere für Inferencing. Mit dem Start von Project Rainier könnte sich das Gleichgewicht verschieben. Bernstein schätzt, dass das Projekt bis 2026 bis zu 2,6 % des AWS-Umsatzes ausmachen und bis 2027 über 4 % betragen könnte. Zusätzlich steigt die Entwicklerbindung an AWS-Plattformen seit Anfang des Jahres, mit besonderer Dynamik im Sommer. Shmulik erwartet ein stärkeres Wachstum im dritten Quartal und anhaltende Fortschritte im vierten. Bernstein prognostiziert für 2024 einen Umsatzwachstum von 18 % auf 127 Milliarden US-Dollar, gefolgt von 21 % im Jahr 2026 und 2027. Obwohl AWS aktuell im AI-Rennen zurückliegt, sieht Shmulik in der Fähigkeit des Unternehmens, sich an die neue Realität anzupassen, ein großes Potenzial. Die Fähigkeit, über mehrere Wege – von Partnerschaften bis zu eigenem Hardware- und Software-Stack – zu gewinnen, macht die langfristige Position von AWS nach wie vor stark. Bewertung und Hintergrund: Industrieanalysten sind geteilt, aber insgesamt optimistisch. AWS bleibt der weltweit führende Cloud-Anbieter mit über 30 % Marktanteil, was strategische Vorteile bietet. Die Investitionen in AI-Infrastruktur und die enge Zusammenarbeit mit Anthropic zeigen, dass Amazon die Bedrohung ernst nimmt. Obwohl die Wettbewerbsposition in der KI-Entwicklung aktuell angeschlagen ist, verfügt AWS über Ressourcen, Skalierung und Kundenbindung, die eine Wende ermöglichen. Die Re:Invent-Konferenz könnte der entscheidende Moment sein, an dem AWS sein neues AI-Image präsentiert.

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