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Gründerleben vs. Banker: So ändern sich die Stunden

Andrew Meng beschreibt einen tiefgreifenden Wandel in seiner Wahrnehmung von Arbeitszeiten, nachdem er nach einer Karriere im Investmentbanking zum Gründer eines KI-Startups wurde. Der 29-Jährige arbeitete bis Januar 2021 für Wells Fargo in San Francisco und schloss sein Studium 2019 ab. Trotz eines engen familiären Hintergrunds in den Ingenieurwissenschaften entschied er sich während des Praktikums nach dem dritten Studienjahr für den Bankensektor, den er zu dieser Zeit als mysteriös empfand. In den ersten Monaten bei Wells Fargo arbeitete Meng zwischen 60 und 100 Stunden pro Woche. Die Arbeitslast war unregelmäßig und erreichte ihre Höchststände während aktiver Transaktionen wie Börsengängen oder Fusionen. Oft konnte er Wochenendpläne erst am Freitagabend bestätigen und war ständig an sein Unternehmenshandy gebunden, da er nachts Antworten auf Anfragen von Vorgesetzten erwartete. Obwohl er formellen Urlaub beanspruchen konnte, spürte er starken internen Druck, nicht zurückzufallen, was besonders während laufender Deals zu ständigen Online-Checks führte. Die Pandemie führte zu einem vollständigen Zusammenbruch der Grenze zwischen Arbeit und Privatleben, da Meng in seinem Arbeitszimmer wachte, arbeitete und schlief. Ein Wendepunkt trat im Sommer 2020 ein, als er nach monatelanger Arbeit den Abschluss eines großen Börsengangs erlebte, ohne Stolz oder Freude zu empfinden. Ihm wurde klar, dass selbst seine guten Tage nicht besonders waren. Nach sechsmonnigen Überlegungen kündigte er, da ihm die Finanzbranche immer weniger wichtig wurde. Er lebte bis Ende 2022 bei seinen Eltern, um Ersparnisse zu nutzen, arbeitete kurzzeitig als Content Creator und in einer Marketingagentur, bevor er im August letzten Jahres sein eigenes Unternehmen, Yorby AI, gründete. Yorby AI ist ein KI-Content-Strategie-Tool zur Automatisierung von Social-Media-Marketing. Das Startup hat bisher 125.000 Dollar von Angel-Investoren eingesammelt und verzeichnet rund 35.000 Nutzer. Obwohl Meng als Gründer seine eigenen Stunden festlegen kann, arbeiten er und seine Familie oft von 9 bis 20 oder 23 Uhr unter der Woche sowie acht Stunden am Wochenende, was einer Woche mit etwa 70 bis 80 Arbeitszeiten entspricht. Paradoxerweise fühlt sich diese Zeitspanne anders an als im Bankwesen, da er für sein eigenes Projekt arbeitet und nicht für andere. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der Abwesenheit von bezahltem Urlaub. Auch auf der Hochzeitsreise nach Schweiz und Griechenland blieb Meng ständig erreichbar. Ein Überbleibsel der Bankerkultur ist seine strikte Regel, samstags nicht zu arbeiten, um Burnout zu vermeiden. Dennoch weckt dieser Tag trotz des freien Plans ähnliche Angst wie früher, jedoch aus anderen Gründen: Während er früher fürchtete, Arbeit zu verpassen, sorgt er sich nun um das Unternehmenswachstum und die Miete. Meng fasst zusammen, dass sowohl das Bankwesen als auch das Gründungstum hochgradig belastende Karrierewege mit minimaler Work-Life-Balance darstellen. Die Entscheidung hängt davon ab, was in der jeweiligen Lebensphase am besten passt.

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