KI-Giganten strukturieren Pharma: Tools zu Gewinnanteilen
Die führenden Künstlichen-Intelligenz-Unternehmen Anthropic, OpenAI und Google transformieren die Pharmaindustrie durch einen strategischen Wandel von reinen Softwareanbietern hin zu integralen Partnern der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Eine Analyse von Big Pharma Sharma bis Mai 2026 belegt, dass 21 große Pharmakonzerne weltweit 27 strategische Partnerschaften mit diesen drei Modellherstellern eingegangen sind. Dieser Trend markiert einen fundamentalen Shift: Während in früheren Phasen das Budget primär an spezialisierte KI-Drug-Discovery-Startups floss, konzentrieren sich die Großkonzerne nun auf die Infrastruktur der Grundlagenmodelle. Die Partnerschaftslandschaft zeigt klare Spezialisierungen. Anthropic dominiert mit rund 14 Transaktionen, die etwa 52 Prozent der verzeichneten Kooperationen abdecken, wobei Claude vorrangig in Forschungs- und klinischen Entwicklungsworkflows als wissenschaftlicher Partner eingesetzt wird. OpenAI folgt mit elf Kooperationsvereinbarungen und positioniert sich als effizienzsteigernde Infrastruktur, etwa bei der regulatorischen Einreichung bei Moderna oder der Wirkstoffforschung bei Eli Lilly. Google schneidet bei der Anzahl der Verträge hinter den beiden ab, verbucht jedoch mit einer zehn Milliarden US-Dollar umfassenden Vereinbarung mit Merck & Co. die höchsten finanziellen Volumina, indem es eine vollständige KI-Cloud- und Dateninfrastruktur bereitstellt. Der zugrundeliegende strategische Wandel reicht weit über die Lizenzierung von Software hinaus. KI-Modelle durchlaufen drei Entwicklungsstufen: von der reinen Effizienzsteigerung bei administrativen Aufgaben über die tiefe Integration in Forschungsworkflows bis hin zur Übernahme von Kernentscheidungen wie Target-Identifizierung und Experimentplanung. Umgekehrt adaptiert die Pharmabranche diese Entwicklung. So kündigte OpenAI-CEO Sam Altman im Februar 2026 auf der Cisco AI Conference eine neue Geschäftsmodellopption an, bei der das Unternehmen Entwicklungskosten übernimmt und im Gegenzug an den Erlösen entdeckter Wirkstoffe partizipiert. Dies transformiert das KI-Unternehmen vom Dienstleister zum strategischen Miteigentümer von Arzneimittelportfolios. Die wirtschaftlichen Implikationen sind signifikant. KI-gestützte Forschungsansätze zeigen bereits messbare Vorteile: Nach Angaben von PitchBook liegen die klinischen Erfolgsquoten von AI-nativen Biotech-Unternehmen signifikant über dem branchenweiten Durchschnitt. Die regulatorische Landschaft passt sich schrittweise an. Während die FDA im Januar 2025 Leitlinien für KI-gestützte Entscheidungsprozesse vorlegte, erkannte die EMA im März 2025 erstmals KI-generierte klinische Evidenz an. Diese regulatorischen Fortschritte senken die Implementierungshürden für die tiefe Integration in die Entwicklung. Parallel dazu entstehen unterschiedliche Strategien zur Bewältigung der technologischen Abhängigkeit. Während einige Konzerne auf Multi-Vendor-Plattformen setzen, gehen andere All-in-Partnerschaften ein. GlaxoSmithKline umgeht die externe Abhängigkeit vollständig, indem sie ein eigenständiges KI-Ökosystem mit dem Modell JulesOS aufbaut. Unabhängig von der gewählten Route wird sich die Wertschöpfungskette neu formieren: KI-Anbieter streben nach der Kontrolle über die Forschungslogik und Ressourcenallokation, während Pharmaunternehmen zunehmend zu Infrastrukturanbietern für klinische Studien, regulatorische Prozesse und kommerzielle Vermarktung werden. Der Erfolg dieser Transition hängt von der Fähigkeit beider Seiten ab, proprietäre Daten sicher zu verknüpfen und regulatorische Anforderungen kontinuierlich zu erfüllen. Die KI dringt damit nicht nur in die Pharmaindustrie ein, sondern definiert deren zukünftige Struktur grundlegend neu.
