Gesunde-Digital-Leseart: ärmer Länder im Vergleich
Eine umfassende Befragung von 31.000 Erwachsenen in 30 Ländern hat überraschende Ergebnisse zur digitalen Gesundheitskompetenz geliefert. Die Studie, die im September 2025 durchgeführt wurde und in der Fachzeitschrift Nature Health veröffentlicht wurde, zeigt, dass diese Kompetenz in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen höher ist als in reichen Nationen. Diese Erkenntnis widerlegt die langgefasste Annahme, dass nationales Wohlstand direkt zu besseren digitalen Fähigkeiten führt. Die Forschung wurde von Forschern der CUNY Graduate School of Public Health and Health Policy in Zusammenarbeit mit Partnern in Barcelona, Tuscaloosa und Genf geleitet. Als erste Untersuchung dieses Umfangs analysierten die Experten, wie Erwachsene die Qualität von Gesundheitsinformationen bewerten und wie sie KI-generierte Inhalte akzeptieren. Beim Vertrauen in Informationsquellen waren medizinische Fachkräfte mit 40,7 Prozent die am häufigsten genannte Vertrauensperson. Ihnen folgten die Überprüfung durch mehrere Quellen (31,2 Prozent) sowie Regierungsstellen (21,6 Prozent). Familie und Freunde spielten mit nur 6,5 Prozent eine untergeordnete Rolle, wobei das Vertrauen in Ärzte in Russland mit 14,6 Prozent deutlich niedriger lag als anderswo. Die Akzeptanz von KI-generierten Gesundheitsinformationen variierte weltweit stark. Global waren 58,3 Prozent der Befragten bereit, solche Inhalte zu akzeptieren. Während dies in China, Indien, Pakistan und Indonesien über 75 Prozent lag, blieb es in westlichen Industrieländern wie Kanada, der Schweiz, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Japan unter 50 Prozent. Jüngere und besser ausgebildete Personen zeigten sich gegenüber KI-Inhalten aufgeschlossener. Rachael Piltch-Loeb, leitende Autorin der Studie, betonte, dass digitale Kompetenz keine Funktion des nationalen Wohlstands sei. In einigen Ländern sei soziale Medien bereits zum primären Weg zur Information geworden, was die digitale Kompetenz erhöhe. Die Muster deuten darauf hin, dass Public-Health-Kommunikation nicht global einheitlich funktionieren kann. Strategien müssen lokale Gegebenheiten berücksichtigen und klare, transparente sowie formatdiverse Inhalte bieten. Auch die Präferenz für Medienformate unterschied sich erheblich. Kombinierte Text- und Bildformate waren weltweit am populärsten. In Ländern wie Ägypten, Indien und Pakistan wurde jedoch Video-Content deutlich häufiger bevorzugt. Altersunterschiede waren ebenfalls markant: Jüngere Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren bezogen 36,1 Prozent ihrer Informationen über soziale Medien, während bei Personen ab 60 Jahren nur 10,6 Prozent diesen Kanal nutzten. Ältere Menschen vertrauten eher auf traditionelle Kanäle wie Broschüren in Kliniken. Einheitlich schätzten Befragte in allen Ländern Informationen, die einfach zugänglich und verständlich sind sowie ihre Quelle klar benennen. Die staatliche Genehmigung oder die Empfehlung durch bekannte Ärzte galt jedoch im Durchschnitt als weniger wichtig. Die Autoren warnen davor, Strategien, die für hochindustrialisierte, institutionsgeleitete Umgebungen entwickelt wurden, einfach auf Länder zu übertragen, in denen soziale Medien und KI den Informationsfluss bereits prägen. Die Studie stützte sich auf eine stratifizierte Zufallsauswahl und wurde online zwischen dem 29. August und dem 8. September 2025 in 30 Ländern repräsentativ durchgeführt.
