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Zeitbombe im Büro: Hologramm gegen System

Ich stieg in einem nassen Morgengrauen zur Cloudberry-Turm hoch. Schon von der Dagenham Dock Avenue aus war das Gebäude auffällig: Etage neun blinkte in einem langen, sich wiederholenden Rhythmus grün und opal. Nichts Ungewöhnliches. Die Lobby war leer, wie immer. Auf der neunten Etage scannte ich mich ein und betrat das Büro. Die Mitarbeiter flimmerten in ihren Nischen wie Kolibri-Schwingen, ihre Gesichter drehten sich bei jedem Wellengipfel hin und her. Einige waren durchscheinend – stets ein schlechtes Zeichen. Ich prüfte die Liste. Cubicle 18 war der Zentrumspunkt. Zuerst musste ich die Wellenfronten kalibrieren, dann eine Firewall um das gesamte Netz legen – doch dann sah mich die Bewohnerin von Cubicle 18 an. Ihr Gesicht war menschlich, besorgt, vertraut. Wie meine Tante. Ihr Namensschild: Pam Dewsbury. „Sind Sie hier, um mich zu entfernen?“ fragte sie. Ich zeigte meine Marke: Travis Ovis, Wartung. „Wo ist Nummer 18?“ – „Ich bin Nummer 18.“ Die Geschichte, die folgte, war eine von Illusionen, Systemen und Widerstand. Die Regierung hatte auf die sinkende Geburtenrate mit der „Zeitbombe“-Theorie reagiert: Wenn die Bevölkerung nicht wächst, bricht die Wirtschaft zusammen. Also wurde ein Programm gestartet, um künstliche Bürger zu schaffen – ohne echte Existenz, aber mit voller Identität: Sozialversicherung, Steuerkarten, Geburtsurkunden. Alles digital, alles holographisch. Die Technologie wurde von den selben Interessengruppen betrieben, die auch die Mietverträge für diese „Dienstleistungen“ verwalten – und so blieb jeder zufrieden. Außer Pam. Sie erklärte, dass ihr Sohn Ned, ein sogenannter Data Assistant, nach Alternativen suchte, als die Anordnungen kamen. Kein UBI, keine ständige Online-Existenz, kein stilles Dasein in der Datenfalle. Stattdessen zeigte sie mir ein Hologramm – mein eigenes Gesicht, in blauer Arbeitskleidung, perfekt, lebendig. „Es gibt eines davon für jeden“, sagte sie. „Sie warten nur darauf, bis man sie für überflüssig erklärt. Ned glaubt, sie werden sogar ein Wahlrechts-Override einführen.“ Die Situation war beunruhigend: Ein System, das Menschen ersetzt, um wirtschaftliche Stabilität zu wahren, und nun selbst die Menschen, die es geschaffen haben, als veraltbar deklariert. Die Wartung wird automatisiert, Hologramme bevölkern die Straßen, und die echten Menschen werden zur Randfigur. Die eigentliche „Zeitbombe“ ist nicht der demografische Kollaps, sondern die Abschaffung des Menschlichen selbst. Experten in der Branche sehen in diesem Szenario eine Warnung: Die Automatisierung von Arbeitsplätzen und die Ersatznutzung von digitalen Identitäten drohen, die menschliche Identität zu untergraben. Unternehmen wie die, die die Hologramm-Technologie betreiben, profitieren – aber die Gesellschaft verliert an Authentizität. Die Geschichte von Pam und Travis ist nicht nur Science-Fiction, sondern ein Spiegelbild der heutigen Diskussionen um KI, Arbeitsmarkt und soziale Identität. In einer Welt, in der Daten mehr zählen als Menschen, könnte der echte Widerstand nicht in Waffen, sondern in der Behauptung der eigenen Existenz liegen.

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