Kontroverse um Anthropics neue Werbung wegen ihres negativen Tons
Anthropic hat mit seiner jüngsten Werbekampagne There’s hope in hard questions erhebliche Kontroversen ausgelöst. Die KI-Entwicklungsfirma warb traditionell mit kreativen öffentlichen Auftritten, doch die aktuelle Kampagne stieß auf durchweg negative Resonanz. Der Werbespot beginnt mit Aufnahmen eines brennenden Hauses, gefolgt von einer Reihe düsterer Stillbilder: Gesichtsüberwachung an einer Menschenmenge, ein Obdachloser auf der Straße, dichte Reihen von Grabsteinen und Arbeitende in einem Bergwerk, aus dem vermutlich Rohstoffe für Mobilgeräte gewonnen werden. Ein Sprechtext lässt verschiedene Personen fragen, ob KI vertrauenswürdig sei und wer im Ernstfall die Notbremse ziehen würde. Die Kampagne versteht sich als Fortsetzung von Anthropics langjähriger Strategie, sich als ethische Gegenposition zu Konkurrenten zu profilieren. Durch das bewusste Aufgreifen von Kritik an den Risiken künstlicher Intelligenz soll das Unternehmen seine eigene Verantwortungsbereitschaft unterstreichen. Diese Taktik, Branchenprobleme anzuerkennen, um anschließend die eigene Sicherheit als überlegen darzustellen, ist im Marketing etabliert. In diesem Fall scheint die Ausführung jedoch nach hinten losgegangen zu sein. Insbesondere die Einbettung von Aufnahmen, die stark an das Arlington National Cemetery erinnern, löste empörte Reaktionen aus. Kritiker auf der Plattform X bemängelten, dass die Darstellung von Friedhöfen in Kombination mit der Frage nach der Notbremse als unnötig düster und unangemessen empfunden werde. Die Tech-Community reagierte durchweg skeptisch. OpenAI-CEO Sam Altman ironisierte die Kampagne öffentlich. Weitere Experten aus der Branche warfen Anthropic schlechte Öffentlichkeitsarbeit vor und kritisierten, dass die Unternehmensführung die öffentliche Wahrnehmung massiv unterschätze. Verglichen wird die visuelle Dramaturgie mit Propagandafilmen des vergangenen Jahrhunderts, was ein denkbar schlechtes Signal für ein Unternehmen ist, das als treibende Kraft für eine sichere KI-Welt werben möchte. Die aktuelle Kontroverse steht im Kontrast zu Anthropics früherem Erfolg, etwa mit humorvollen Super-Bowl-Werbespots, die sich über Werbeeinführungen bei ChatGPT lustig machten und damals auf positive Resonanz stießen. Dennoch bestätigt der Vorfall ein wiederkehrendes Muster: Je radikaler KI-Firmen ihre eigenen Risiken thematisieren, desto höher ist das Risiko, als überzogen wahrgenommen zu werden, wenn die visuelle Sprache die Botschaft nicht klar transportiert. Anthropic muss nun abwägen, ob die gewählte Dramaturgie der gewünschten Positionierung als vertrauenswürdige Alternative entspricht oder den Imagegewinn zunichtemacht.
