Neues KI-Tool erkennt unseriöse Fachzeitschriften und schützt Forschungsintegrität
Ein neu entwickeltes KI-Tool kann fragwürdige wissenschaftliche Zeitschriften erkennen und so die Integrität der Forschung schützen. Während Open-Access-Journale den Vorteil bieten, Forschungsergebnisse weltweit kostenlos und sofort zugänglich zu machen, hat sich mit deren raschem Wachstum auch eine wachsende Zahl von dubiosen Verlagen etabliert. Diese nutzen die Publikationsgebühren von Autoren aus, versprechen schnelle Veröffentlichung, aber bieten oft keine echte Peer-Review-Prozesse. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, haben Forscher ein KI-Modell trainiert, das wie ein Detektiv auf der Suche nach roten Flaggen in Zeitschriften-Websites und Publikationen agiert. Dazu wurden mehr als 12.000 hochwertige und rund 2.500 inzwischen aus dem Directory of Open Access Journals (DOAJ) entfernte, fragwürdige Zeitschriften als Trainingsdaten verwendet. Das KI-Modell lernte, Anzeichen wie fehlende Angaben zur Redaktion, unaufgeräumte Webdesigns oder niedrige Zitierhäufigkeiten zu identifizieren. Anschließend wurde das Modell auf eine Datenmenge von 93.804 Open-Access-Zeitschriften aus dem Open-Access-Datenbank-Tool Unpaywall angewandt. Dabei wurden über 1.000 bisher unbekannte verdächtige Zeitschriften identifiziert, die gemeinsam Hunderttausende Artikel veröffentlicht haben. Die Studie nennt keine konkreten Namen, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden, erwähnt aber, dass viele dieser fragwürdigen Verlage aus Entwicklungsländern stammen – ein Hinweis auf eine globale Herausforderung im wissenschaftlichen Publikationswesen. Trotz seiner Leistungsfähigkeit bei der Skalierung hat das System noch Schwächen: Es weist eine Falsch-Positiv-Rate von 24 % auf, was bedeutet, dass etwa jeder vierte legitime Journal fälschlicherweise als verdächtig eingestuft wird. Daher betonen die Forscher, dass menschliche Expertise weiterhin unerlässlich ist. „Unsere Ergebnisse zeigen das Potenzial von KI für skalierbare Integritätsprüfungen, gleichzeitig unterstreichen sie die Notwendigkeit, automatisierte Erkennung mit fachlicher Begutachtung zu kombinieren.“ Die Forscher sehen die Entwicklung des Tools als ersten Schritt in einem fortlaufenden Kampf gegen wissenschaftliche Fälschungen und publizistische Manipulation. Mit weiteren Verbesserungen und Anpassungen an die sich wandelnden Taktiken von dubiosen Verlagen könnte das System zukünftig eine zentrale Rolle bei der Sicherung der wissenschaftlichen Qualität spielen. Die Zusammenarbeit zwischen menschlichem Know-how und intelligenten Algorithmen wird dabei entscheidend sein, um Forschende vor betrügerischen Publikationsplattformen zu schützen und das Vertrauen in die wissenschaftliche Gemeinschaft zu erhalten. Industrieexperten begrüßen die Innovation als wichtigen Schritt zur Digitalisierung der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle. Experten aus dem Bereich Scholarly Communication betonen, dass solche Tools besonders für junge Forschende und in Ressourcen-schwachen Ländern hilfreich sein könnten, die oft unerfahren sind und leichter von vermeintlich seriösen, aber tatsächlich dubiosen Zeitschriften überzeugt werden. Die Entwicklung zeigt, dass KI nicht nur eine Bedrohung, sondern auch ein Werkzeug für mehr Transparenz und Gerechtigkeit im wissenschaftlichen Austausch sein kann.
