Space-Datencenter: 5 Mio. $
Die im Mai gegründete Startup-Firma Orbital hat eine Seed-Runde in Höhe von fünf Millionen US-Dollar abgeschlossen und will künftig Rechenzentren im Orbit betreiben. Gründer und CEO Euwyn Poon stammt ursprünglich aus der Mikromobilitätsbranche und gründete 2017 die E-Scooter-Marke Spin, die ein Jahr später von Ford übernommen wurde. Über das Accelerator-Programm Speedrun von Andreessen Horowitz (a16z) fand Poon den Zugang zum Weltraumsektor. Das Investoren-Konsortium umfasst neben a16z weitere Risikokapitalgeber wie Basis Set, Human Element und LYVC. Orbital verfolgt das Ziel, künstliche Intelligenz direkt im All zu verarbeiten. Die dahinterstehende These nutzt die nahezu unbegrenzte solare Energieversorgung im Orbit sowie reduzierte behördliche Hürden im Vergleich zu terrestrischen Rechenzentren. Ein zentrales Hindernis bleibt derzeit die Wirtschaftlichkeit, da die aktuellen Launch-Kosten mittels Falcon 9 die Geschäftsrechnung nicht aufgehen lassen. Das Startup setzt daher vollständig auf die kommerzielle Verfügbarkeit von SpaceXs Schwerlastrakete Starship, die erst mit deren regelmäßigen Einsatz die nötigen Skaleneffekte ermöglichen wird. Im Fokus steht derzeit die Entwicklung einer Demonstrationsmission. Dabei wird ein Nvidia-Blackwell-Chip an Bord eines Partnersatelliten in die Umlaufbahn gebracht, um die eigenen Technologien zur Strahlungsabschirmung und Wärmeableitung unter realen Weltraumbedingungen zu testen. Das Team mit rund ein Dutzend Ingenieurinnen und Ingenieuren basiert in Los Angeles und bringt Erfahrung aus den Bereichen Amazon LEO, SpaceX und Northrop Grumman mit. Für das Jahr 2028 plant Orbital den Start des ersten datenverarbeitenden Satelliten, der mit GPUs der Space-1-Generation von Nvidia ausgestattet sein wird. Anschließend sollen schrittweise Inferenz-Aufträge abgewickelt und erste Einnahmen generiert werden. Das langfristige Ziel des Unternehmens sieht den Betrieb einer Konstellation aus zehntausend Satelliten mit einer kombinierten Rechenleistung von einem Gigawatt. Jeder Satellit soll etwa 100 Kilowatt leisten. Der Wettmarkt für orbitale Rechenzentren verdichtet sich zusehends. Neben Starcloud, das bereits eine GPU im Orbit betreibt, investieren auch Cowboy Space Company in eigene Raketenentwicklung und Blue Origin mit der New Glenn in weltraumbasierte Infrastruktur. Poon verweist auf die große Bandbreite der KI-Anwendungen, die ausreichend Marktnische für verschiedene technische Konzepte biete. Andrew Chen, Partner bei a16z, betont die strategische Bedeutung von Poons Erfahrung im Skalieren komplexer Infrastrukturen. Der Bau eines derartigen Raumfahrtunternehmens verlange einen Horizont von rund zehn Jahren und ein Volumen von mehr als fünf Milliarden US-Dollar. Zehn Jahre zuvor wäre ein solches Projekt für Venture-Kapitalgeber noch als unrealistisch eingestuft worden. Der aktuelle KI-Boom und die veränderte Marktstimmung ermöglichen hingegen die Finanzierung langfristiger, kapitalintensiver Projekte. Mit dem Umzug tausender GPUs ins All treibt Orbital die Konvergenz von KI-Bedarf und Weltraumlogistik voran und markiert einen neuen Meilenstein in der kommerziellen Raumfahrt.
