Junge Frauen dominieren ChatGPT-Nutzung – mehr Beratung als Aufgabenbearbeitung
OpenAI hat ein umfangreiches 64-seitiges Forschungspapier veröffentlicht, das die Nutzung von ChatGPT zwischen Mai 2024 und Juli 2025 analysiert. Basierend auf über 1,5 Millionen Chat-Nachrichten von rund 130.000 Nutzern mit Consumer-Plänen liefert die Studie neue Einblicke in die Nutzergruppen und Nutzungsmuster des KI-Chatbots. Ein zentrales Ergebnis: Die Nutzerbasis hat sich in den letzten zwölf Monaten deutlich diversifiziert. Laut der Analyse stammen fast die Hälfte aller ChatGPT-Nachrichten von Personen unter 26 Jahren – insbesondere 46 % der Nachrichten kamen von Nutzern im Alter von 18 bis 25. Dies zeigt eine starke Dominanz junger Nutzer, die sich von früheren Nutzerprofilen unterscheidet, als ChatGPT vor allem von technisch interessierten Männern genutzt wurde. Zudem zeigt die Studie eine signifikante Verschiebung im Geschlechterverhältnis: 52 % der Nutzer mit klassifizierbaren Namen waren weiblich, was einen deutlichen Bruch mit der früheren Dominanz männlicher Nutzer (um 80 % im Jahr 2022) darstellt. Unterschiede in der Nutzung bestehen jedoch: Frauen neigen stärker zu schriftlichen Aufgaben und praktischer Beratung, während Männer eher technische Informationen, multimediale Inhalte oder tiefgehende Recherchen anfordern. Ein weiterer zentraler Befund ist, dass ChatGPT vor allem als Beratungshilfe oder Recherche-Tool genutzt wird, nicht als Automatisierungswerkzeug. 49 % der Nachrichten wurden als „Fragen stellen“ klassifiziert – darunter einfache Wissensabfragen, Lebensratschläge oder Entscheidungshilfen. Nur 40 % der Nachrichten beinhalteten „Aktionen“, wie das Schreiben von E-Mails, das Erstellen von Listen oder das Extrahieren von Daten aus Dokumenten. Lediglich 11 % der Nachrichten waren „Ausdruck“ – also emotionale oder subjektive Äußerungen ohne Informations- oder Handlungsbedarf. Interessant ist, dass selbst unter beruflichen Nutzern mit Consumer-Plänen nur 56 % der Nachrichten „tätigkeitsorientiert“ waren, während 70 % der Nutzung insgesamt nicht beruflich motiviert war. Bei Erwachsenen im Alter von 36 bis 45 Jahren war die Wahrscheinlichkeit, dass eine Nachricht beruflich war, mit 31,4 % am höchsten – deutlich über dem Durchschnitt der jüngeren Gruppen. Die Ergebnisse unterstreichen, dass ChatGPT weitgehend als persönlicher Assistent dient, besonders für junge Erwachsene, die es vor allem für Lernen, Kreativität und persönliche Entscheidungsfindung nutzen. OpenAI interpretiert die Daten als Beleg dafür, dass KI-Zugang ein grundlegendes Recht sein sollte. Die Studie, die noch nicht peer-reviewed ist, liefert wertvolle Daten für die Entwicklung von KI-Technologien, die auf breite Nutzergruppen zugeschnitten sind. Experten sehen darin eine Bestätigung der zunehmenden Integration von KI in den Alltag – nicht nur im Beruf, sondern vor allem im privaten Kontext. Unternehmen wie OpenAI setzen zunehmend auf Nutzerzentrierung, um die Akzeptanz und Nutzung von KI zu fördern. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Nutzung von KI-Tools von der Altersgruppe und dem Lebenskontext stark beeinflusst wird – ein wichtiger Faktor für zukünftige Produktentwicklung und ethische Gestaltung.
