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Erste globale Karte erfasst Seegras für Naturschutz

Die erste hochaufgelöste globale Karte von Seegrasvorkommen wurde vom Center for Global Discovery and Conservation Science der Arizona State University veröffentlicht. Unter der Leitung von Jiwei Li entwickelte das Forschungsteam ein KI-Modell, das Satellitenbilder mit bodengestützten Validierungsdaten von internationalen Tauchforschern kombiniert. Die tiefen Lernprozesse wurden auf den Supercomputern Agave und Sol der ASU durchgeführt. Das System identifiziert Seegrasbestände in Gewässern bis zu 30 Metern Tiefe auf eine Auflösung von zehn mal zehn Metern und klassifiziert deren Dichte. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature vorgestellt. Die Studie quantifiziert erstmals den globalen Zustand dieser küstennahen Ökosysteme präzise. Im Gegensatz zu Algen handelt es sich bei Seegras um wurzelnde Pflanzen, die durch ihr Rootsystem Sedimente stabilisieren, Küsten vor Erosion schützen und als hocheffiziente Kohlenstoffspeicher fungieren. Basierend auf den neuen Karten und Sedimentdaten schätzen die Forscher, dass in den oberen 30 Zentimetern der Ozeanböden rund 640 Teragramm Kohlenstoff gebunden sind. Dies entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von etwa 500 Millionen Fahrzeugen. Räumlich konzentrieren sich knapp 70 Prozent der weltweiten Seegrasflächen auf die Küstengewässer von fünf Staaten: den USA, den Bahamas, Kuba, Australien und Indonesien. Ein Vergleich der Satellitendaten aus den Jahren 2019 bis 2020 mit jenen von 2023 bis 2024 offenbart einen jährlichen Rückgang von rund einem Prozent. Innerhalb des vierjährigen Beobachtungszeitraums gingen insgesamt vier Prozent der Bestände verloren. Der Großteil dieser Verluste lässt sich auf direkte menschliche Eingriffe wie Küstenbebauung in China oder Düngemittelbelastung in Florida zurückführen, ergänzt durch klimatische Extremereignisse. Auffällig ist das deutliche Schutzdefizit: Nur 21 Prozent der Seegrasflächen liegen derzeit innerhalb von Meeresschutzgebieten, während rund 80 Prozent der dokumentierten Schädigung genau außerhalb dieser Zonen erfolgte. Dies kennzeichnet Seegras als prioritäres Handlungsfeld im Rahmen des 30x30-Biodiversitätsziels. Gleichzeitig liefert die flächendeckende Kartierung handfeste Ansatzpunkte für erfolgreiche Erhaltungsmaßnahmen. In der South Bay bei Los Angeles sowie vor der kubanischen Küste zeigten gezielte Sanierungsprojekte und verbesserte Wasserqualität messbare Bestandszuwächse. Im Gegensatz zu langsam regenerierenden Korallenriffen erholen sich Seegraswiesen vergleichsweise rasch, was sie zu einem kosteneffizienten Instrument für den Küstenschutz und die Kohlenstoffbindung macht. Die Daten werden nun in die bestehenden Monitoring-Systeme des Allen Coral Atlas integriert. Sie bilden die technische Grundlage für präzise Planungen bei der Ausweitung von Schutzgebieten, die Validierung von Kohlenstoffmärkten sowie für umweltrechtliche Durchsetzung. Mit der maschinell gestützten, systematischen Erfassung wird Seegras von einem zuvor schwer quantifizierten Ökosystem zu einem transparent überwachtbaren Faktor für globale Klima- und Naturschutzstrategien.

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