Siri-Erfinder kritisiert Apples fehlende AI-Entwicklung
Babak Hodjat, einer der Erfinder der zugrunde liegenden Sprachverarbeitungstechnologie, die zur Entwicklung von Siri führte, kritisiert, dass Apple seine frühe führende Position im Bereich der Sprachassistenten nicht ausgenutzt hat. Obwohl Siri 2011 als erstes Massenprodukt einer intelligenten Sprachinteraktion auf den Markt kam und Apple damit einen entscheidenden Vorsprung im Wettlauf um KI-gestützte Chatbots erlangte, blieb die Weiterentwicklung hinter den Erwartungen zurück. Hodjat, der als CTO des Startups Dejima in den späten 1990er Jahren die Grundlagen für die kognitive Assistenztechnologie entwickelte – die später Teil des staatlich geförderten CALO-Projekts der USA wurde – sieht den Fehler bei Apple in einer zu starken Fokussierung auf Design und visuelle/akustische Ästhetik anstelle der Qualität der Interaktionen. „Apple hat sich zu sehr auf das ‚Aussehen und die Optik von Siri‘ konzentriert, anstatt die Genauigkeit und Tiefe der Antworten zu verbessern“, sagte er im Gespräch mit Business Insider auf der Web Summit in Lissabon. Die ursprüngliche Technologie entstand aus dem Forschungsprojekt CALO, das 2007 in der Firma Siri commercialisiert wurde, die Apple 2010 übernahm. Hodjat war nach der Übernahme nicht mehr an der Entwicklung beteiligt. Heute ist er Chief AI Officer bei Cognizant und leitet dort ein Team von KI-Forschern. Laut ihm war der ursprüngliche Fokus auf Sprachinteraktionen ein strategischer Fehler, da nicht alle Nutzer sich wohlfühlen, mit einem Gerät wie einem Smartphone zu sprechen. „Es ist erstaunlich, dass man mit einem Auto leichter spricht – vielleicht, weil es sich bewegt und die Scheinwerfer wie Augen wirken“, bemerkte er. Die Vielfalt der Interaktionsformen, ob per Sprache, Text oder Touch, sei für ihn von zentraler Bedeutung, wobei die Modalität je nach Kontext variieren sollte. Trotz einer erwarteten Nutzerzahl von 87,3 Millionen für Siri im Jahr 2025 (nach Schätzungen von EMARKETER) bleibt Apple hinter Konkurrenten wie Google und OpenAI zurück. Die geplante Neugestaltung von Siri musste mehrfach verschoben werden, und aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass Apple in Gesprächen mit Google steht, um den Gemini-Modell für bestimmte Siri-Funktionen einzusetzen. Hodjat sieht dies als „klugen Schritt“, warnt aber vor Instabilität: „Aber nur, wenn sie sich wirklich darauf festlegen.“ Er kritisiert, dass Apple bei der KI-Strategie ständig wechsle, was langfristige Innovation behindere. Industriebeobachter stimmen zu, dass Apple zwar starke Hardware und Datenschutz-Positionen hat, aber bei der KI-Software hinterherhinkt. Die Rückkehr zu externen Modellen wie Gemini könnte ein Zeichen dafür sein, dass Apple erkennt, dass interne Entwicklung allein nicht ausreicht. Die Zukunft von Siri hängt nun nicht nur von Technologie, sondern auch von der strategischen Konsistenz der Führung ab.
