Erste Corporate-Job-Erfahrung nach zehn Jahren: 6 wichtige Lektionen
Nach zehn Jahren außerhalb des Unternehmensalltags kehrte ich unerwartet in ein korporatives Umfeld zurück – nicht durch geplante Karrierebewegung, sondern als Reaktion auf veränderte Marktbedingungen. Als Freelancer, der durch KI-Tools wie ChatGPT zunehmend an Kunden verlor, suchte ich eine Position, die meine Expertise in KI-Texterstellung und Copyediting nutzte. Nach drei Video-Interviews und einem Schreibtest erhielt ich ein remote-tätiges Angebot – zunächst begeistert, bald aber herausgefordert. Der erste Tag verlief reibungslos: Einführung in Prozesse, Account-Einrichtung. Doch bereits am zweiten Tag wurde ich in den Arbeitsfluss hineingeworfen. Die Projektmanagement-Plattform Asana drängte mich, Termine einzuhalten. Doch meine ältere MacBook-OS-Version ließ die neuesten Desktop-Versionen von Asana und Slack nicht installieren – ich musste alles im Browser nutzen, was zu erheblichen Verzögerungen führte. Dies war die erste Erkenntnis: Technische Voraussetzungen sind entscheidend. Ohne aktuelle Software läuft selbst die beste Leistung Gefahr, durch technische Hindernisse blockiert zu werden. In der folgenden Woche setzte ich mich zu sehr auf Produktivität, was jedoch zu qualitativ minderwertiger Arbeit führte. Ein Feedbackgespräch mit dem Chef war klar: Meine Arbeit war nicht auf dem erwarteten Niveau. Doch statt sofort zu kündigen, erhielt ich eine zweite Chance. Ich nutzte meine Erfahrung mit KI-Prompting, um Prozesse zu beschleunigen, und teilte diese Tipps mit dem Team. Doch die Arbeit kam nun in stürmischen Wellen, und ich nutzte die Flexibilität des Remote-Jobs, um Tasks über den Tag zu verteilen – was zu einem Missverständnis mit meinem Chef führte. Ich hatte eine Nachricht in Slack übersehen, die am Abend beantwortet wurde. Die Botschaft: Auch wenn man remote arbeitet, darf man nicht für Stunden unerreichbar sein. Flexibilität bedeutet nicht, verantwortungslos zu sein. Dann kam die letzte Warnung: Virtuelle Meetings erfordern professionelles Erscheinungsbild. Selbst wenn man zu Hause ist, sollte man sich nicht in einem verschwitzten T-Shirt vor der Kamera zeigen. Hintergrund, Kleidung und Umgebung wirken – auch wenn man nur per Video teilnimmt. Die letzte Hürde: Nach einem Wochenende, an dem ich nach einer Aufgabenflut arbeitete, wurde mir im Nachgang mitgeteilt, dass ich „nicht da sei“ – eine Entlassung. Es war kein persönliches Urteil, sondern eine Entscheidung im Kontext einer jungen, dynamischen Unternehmenskultur, in der schnelle Ergebnisse und hohe Verfügbarkeit gefragt sind. Vielleicht war ich zu alt, zu langsam, zu unerfahren in modernen Tools – oder einfach nicht die gewünschte „Kulturpassung“. Trotz des Schocks nahm ich die Erfahrung positiv. Ich lernte, Ego abzulegen, ständig zu lernen und sich anzupassen. Die Welt der Start-ups ist hart, schnell und oft jung. Hier zählt nicht nur Erfahrung, sondern auch Energie, Agilität und technische Aktualität. Meine alten Geräte spielten möglicherweise eine Rolle – und ich habe bereits beschlossen, bald ein neues Gerät zu kaufen. Die wichtigsten Lektionen: Technische Vorbereitung ist Grundvoraussetzung, Kommunikation ist entscheidend, Professionalität gilt auch zu Hause, und die Unternehmenskultur ist oft wichtiger als die eigene Qualifikation. Die aktuelle Marktlage ist hochkompetitiv – nicht nur zwischen Bewerbern, sondern auch zwischen Start-ups. Wenn man nicht passt, ist das kein Scheitern, sondern eine Gelegenheit, neu zu denken. Vielleicht ist der nächste Schritt nicht mehr in einem Unternehmen, sondern als Unternehmer. Die Erfahrung war kostspielig, aber wertvoll – und ein klarer Wegweiser für die nächste Phase.
