Open-Source-Plattform hilft bei Gesundheitsforschung
Stanford-Forscher haben eine neue Open-Source-Plattform namens Stanford Screenomics veröffentlicht, die es Gesundheitsexperten ermöglicht, digitale Verhaltensmuster in großem Maßstab zu analysieren, ohne die Privatsphäre der Teilnehmer zu gefährden. Ian Kim, Postdoktorand an der Universität Stanford, und seine Kollegin Nilam Ram, Professorin für Kommunikation und Psychologie, haben dieses Android-basierte System entwickelt, um sogenannte "Screenomes" zu erfassen. Der Begriff bezeichnet die Gesamtheit der digitalen Spuren, die ein Smartphone-Nutzer hinterlässt, wie Schrittzahlen, Schlafmuster, Standortdaten, genutzte Anwendungen, getippte Wörter und Screenshots. Bisher waren die Erforschung solcher detaillierter digitaler Datenströme für Wissenschaftler oft mit erheblichen technischen Hürden und Datenschutzbedenken verbunden, da sie häufig über fundierte Kenntnisse in Softwaretechnik und Infrastruktur verfügen mussten. Die neue Plattform soll diese Barrieren abbauen. Sie bietet ein benutzerfreundliches Front-End-Konsolen-Interface, mit dem Forscher Studienparameter per Drag-and-Drop konfigurieren können, ohne Programmierkenntnisse zu benötigen. Gleichzeitig werden die Server, Datenbanken und Speicherressourcen automatisch bereitgestellt. Die gesammelten Daten werden in HIPAA-konformen Datenbanken sicher gespeichert, was die Einhaltung strenger medizinischer Datenschutzstandards gewährleistet. Ein zentrales Anliegen der Entwickler war der Schutz der Privatsphäre. Das System implementiert Schutzmechanismen, die strenger sind als die üblichen Unternehmensrichtlinien. Forschende benötigen nicht nur eine Genehmigung durch den Ethikkomitee (IRB), sondern auch eine Freigabe durch den Google Play Store. Die Aufklärung der Studienteilnehmer erfolgt umfassend: Jeder muss verstehen, welche Datentypen gesammelt werden, mit welcher Frequenz und zu welchem Zweck. Zudem verfügt die Datenerfassungs-App über einen prominenten Stop-Knopf, der es Nutzern ermöglicht, die Erfassung vorübergehend zu unterbrechen, etwa während finanzieller Transaktionen oder privater Chats, oder die App komplett zu deaktivieren. Erste Studien mit früheren, noch nicht als Plattform verfügbaren Datenerfassungssystemen haben bereits wertvolle Erkenntnisse geliefert. Sie zeigten Zusammenhänge zwischen Nutzungsmustern und wöchentlichen Schwankungen der psychischen Gesundheit, sogar in den Tagen vor einer psychischen Krise. Weitere Forschungen untersuchten, wie der Wechsel zwischen Apps die Sinnstiftung beeinflusst, die Verbindung zwischen jungen Erwachsenen und ihren Eltern, wie die Betrachtung von Naturbildern das Wohlbefinden steigert und wie Informationen während extremer Wetterlagen aufgenommen werden. Das übergeordnete Ziel von Stanford Screenomics ist es, präventive Medizin zu stärken. Ian Kim plant selbst, die Plattform zu nutzen, um zu untersuchen, wie digitale Umgebungen Gesundheitsverhalten prägen. Er fragt nach dem Wechselspiel zwischen Bildschirmzeit und körperlichen Gewohnheiten sowie nach digitalen Auslösern, die zu besseren Gesundheitsergebnissen führen. In einem weiteren Schritt ist die Integration von Künstlicher Intelligenz geplant, um aus den Rohdaten handlungsrelevante Erkenntnisse zu gewinnen. Das langfristige Ziel ist es, nicht nur passiv zu beobachten, sondern Echtzeit-Eingaben und personalisierte Unterstützung anzubieten, um Menschen dabei zu helfen, ihr digitales Leben positiv zu gestalten. Die Plattform wird in einem Artikel in der Zeitschrift Nature Health detailliert beschrieben.
