Neuer Chef bei Weltbank für Energie: Fokus auf Preisstabilität und US-Interessen
Der weltweit größte Energiekreditgeber hat einen neuen Leiter: Dieser könnte die US-Energiestrategie entscheidend prägen. Jeff Beard, der neue Chef des Energy Department’s Loan Program Office (EDF), hat die Kreditvergabe während der Biden-Administration überprüft – insbesondere die rund 80 Prozent des Portfolios, die zwischen der Präsidentschaftswahl 2024 und der Amtseinführung vergeben wurden. Die Ergebnisse: Etwa 83,6 Milliarden US-Dollar an Krediten, überwiegend für emissionsreduzierende Projekte, wurden neu bewertet. Davon wurden etwa 30 Milliarden Dollar an zugesagten Krediten storniert oder zurückgezogen, 53 Milliarden wurden umstrukturiert. Ziel sei es, Steuerzahler zu schützen und die Energieversorgung bezahlbar und zuverlässig zu machen, betont Beard. „Das ist keine Politikumkehr, sondern eine Schutzmaßnahme für das Geld der Bürger.“ Die EDF, gegründet 2005, diente bisher als Brücke für Unternehmen, die auf dem Kapitalmarkt aufgrund von Risikoabschätzungen Schwierigkeiten hatten, Finanzierung zu erhalten. Der Staatsgarantie-Status für genehmigte Projekte gilt als Qualitätszertifikat, das zusätzliche Investitionen anzieht. Erfolge wie die Tesla-Unterstützung 2010 wechselten sich mit Fehlschlägen wie dem Bankrott des Solarherstellers Solyndra ab. Unter Biden wurde die EDF stark ausgebaut – Personal vervierfacht, Mittel durch das Inflation Reduction Act verzwanzigfacht. Mit dem neuen Trump-Administration wechselt die EDF nun das Profil: Der grüne Fokus wird aufgegeben, der Name bleibt, aber die Prioritäten ändern sich. Fokus liegt nun auf sechs Sektoren: Kernenergie, fossile Energien (Kohle, Öl, Gas), kritische Rohstoffe, Geothermie, Stromnetz und -übertragung sowie Fertigung und Verkehr. Beard betont: „Jedes Projekt soll die Energiekosten senken, die USA bei der KI-Entwicklung stärken und das Netz stabilisieren – und gleichzeitig die Abhängigkeit von China bei kritischen Materialien reduzieren.“ Die EDF ist wieder „offen für Geschäft“. Aktuell liegen 80 Anträge im Pipeline-System, darunter Neuprojekte und umgeformte alte Anträge. Drei Kredite wurden bereits an AEP, Constellation Energy und Wabash Valley Resources vergeben – alle ursprünglich unter Biden bewilligt. Bald könnte ein neuer, historisch großer Kredit folgen. Die steigenden Strompreise – schneller als die Inflation – sind ein wachsendes Problem, besonders im Wahljahr. Die Nachfrage steigt durch KI, Rückverlagerung von Fertigung und Elektrifizierung. Gleichzeitig belasten extreme Wetterereignisse das Netz. Die Trump-Administration setzte auf Kohle, etwa durch Anordnung an das Verteidigungsministerium, Kohlekraftwerke weiterlaufen zu lassen. Beard plädiert für Modernisierung bestehender Anlagen, nicht für Stilllegung. Neue Großanlagen sollen ebenfalls gefördert werden. Auch bei Genehmigungsverzögerungen sieht er Herausforderungen – etwa bei Offshore-Windprojekten, die wegen politischer Entscheidungen gestoppt wurden, obwohl Gerichte nun den Bau wieder freigaben. Kritiker fordern mehr Wind- und Solarenergie, die kostengünstiger und schneller ans Netz gehen können. Lazard-Daten zeigen: Onshore-Wind (37–86 $/MWh), Solar (38–78 $/MWh) sind günstiger als Gas (48–109 $/MWh) und Kohle (71–173 $/MWh). Doch Faktoren wie Kapazitätsfaktor (Kernenergie: über 90 %, Wind: 34 %) und Bereitstellung (baseload vs. intermittierend) spielen eine Rolle. Deshalb setzen Tech-Giganten wie Microsoft und Google auf Kernenergie – auch via Small Modular Reactors (SMRs) – für 24/7-Netzstrom. Die EDF fördert derzeit mehrere Kernkraftprojekte: 1 Milliarde Dollar an Constellation für Three Mile Island, 12 Milliarden an Southern Company für Vogtle 3/4, 1,5 Milliarden an Holtec für Palisades. Westinghouse plant 10 neue Reaktoren ab 2030. Trumps Erweiterung der Investitionssteuervergünstigung sei ein Plus. „Alles, was nötig ist, um die Branche wiederzubeleben, steht auf dem Tisch“, sagt Beard. Ein weiterer Schwerpunkt: kritische Rohstoffe. China dominiert die Verarbeitung von Seltenerdmetallen und könnte sie als geopolitisches Druckmittel nutzen. Die EDF will Unternehmen unterstützen, die Chinas Strategie durchbrechen. Obwohl das Personal reduziert wurde, sei die Effizienz gestiegen: „Wir fokussieren uns auf wiederholbare, wirtschaftlich tragfähige Projekte“, sagt Beard. „Ich bin ein Investor – nicht ein Politiker. Die Aufgabe ist: Nutzen für Amerikaner, Rückzahlung.“ Industriebeobachter sehen in der Neuausrichtung der EDF eine strategische Wende: weniger grüne Subventionen, mehr Fokus auf Energieunabhängigkeit, Wirtschaftlichkeit und geopolitische Sicherheit. Die Kreditvergabe wird schneller, aber rigoroser – mit langfristiger Ausrichtung auf die Stärkung der US-Industrie.
