Indiens Startup Sarvam launcht AI-Chat-App Indus
Indien wird zum zentralen Schauplatz im Wettbewerb um die Dominanz im Bereich generativer KI, und mit dem Launch der Indus-Chat-App setzt der indische AI-Startup Sarvam einen entscheidenden Schritt in diese Richtung. Die App, die ab sofort in der Beta-Version für iOS, Android und über den Webbrowser nutzbar ist, dient als Schnittstelle für das neu vorgestellte Sarvam 105B-Modell – ein Großmodell mit 105 Milliarden Parametern, speziell für indische Sprachen und Benutzer entwickelt. Die Ankündigung erfolgte zwei Tage nach der Präsentation der 105B- und 30B-Modelle auf dem India AI Impact Summit in Neu-Delhi, wo Sarvam auch neue Kooperationen mit Unternehmen wie HMD (Nokia-Feature-Phones) und Bosch (KI-fähige Automobilanwendungen) sowie Pläne für eigene Hardware bekanntgab. Indus ermöglicht Nutzern, Fragen per Text oder Sprache einzugeben und Antworten sowohl in Text- als auch in Audioform zu erhalten – eine Funktion, die besonders für Benutzer in ländlichen Regionen mit geringer Literacy oder in mehrsprachigen Umgebungen von Vorteil sein könnte. Die Anmeldung erfolgt über Telefonnummer, Google-Konto oder Apple ID, doch der Dienst ist derzeit ausschließlich für Nutzer in Indien verfügbar. Trotz des Beta-Status weist die App noch einige Einschränkungen auf: So lässt sich die Chat-Geschichte nicht löschen, ohne das gesamte Konto zu entfernen, und der integrierte Reasoning-Modus kann die Antwortgeschwindigkeit beeinträchtigen. Darüber hinaus warnt Sarvam, dass der Zugang zunächst begrenzt sein könnte, da die Rechenkapazität noch nicht ausreichend skaliert ist. „Wir rollen Indus schrittweise aus, daher könnt ihr zunächst auf eine Warteliste stoßen. Zugang wird im Laufe der Zeit erweitert“, schrieb Co-Gründer Pratyush Kumar auf X. Sarvam, gegründet 2023, hat bislang 41 Millionen US-Dollar aus Investoren wie Lightspeed Venture Partners, Peak XV Partners und Khosla Ventures gesammelt. Das Unternehmen positioniert sich als Pionier im Aufbau einer lokalen KI-Infrastruktur, die nicht auf westliche Plattformen wie OpenAI, Google oder Anthropic angewiesen ist. Die hohe Nutzung von ChatGPT in Indien – mit über 100 Millionen wöchentlichen aktiven Nutzern nach Angaben von Sam Altman – und die Tatsache, dass Indien mit 5,8 Prozent der Claude-Nutzung weltweit nur hinter den USA liegt, unterstreichen das enorme Potenzial des Marktes. Sarvam will mit Indus nicht nur die Sprachbarriere abbauen, sondern auch die digitale Souveränität Indiens im KI-Zeitalter stärken. Industrieanalysten sehen in Sarvams Initiative einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung einer eigenständigen KI-Ökonomie in Indien. „Sarvam zeigt, dass lokale Modelle mit spezifischen kulturellen und sprachlichen Kontexten konkurrenzfähig sein können“, sagt ein Experte aus dem Tech-Bereich. Die Kooperation mit Nokia und Bosch verdeutlicht zudem die strategische Ausrichtung auf breite Anwendungen – von der Konsumelektronik bis zur Industrie. Ob Indus langfristig gegen global dominierende Plattformen bestehen kann, hängt von der Skalierbarkeit, der Benutzererfahrung und der Fähigkeit ab, eine leistungsfähige, kosteneffiziente Infrastruktur aufzubauen. Doch mit einem klaren Fokus auf lokale Bedürfnisse und einem starken Investor-Netzwerk ist Sarvam bereits ein ernstzunehmender Akteur im globalen KI-Wettbewerb.
