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Anthropic-Umfrage: KI könnte Arbeitslosenquote erhöhen

In den USA hat Anthropic am Freitag eine Vergleichsstudie zum KI-Erwartungsgefälle veröffentlicht. Sie stellt die Einschätzungen von 1.334 eigenen Mitarbeitenden den Antworten von US-Erwachsenen gegenüber. Demnach rechnen die Anthropic-Beschäftigten deutlich stärker mit einer Automatisierung ihrer eigenen Tätigkeit. Die Mehrheit erwartet, dass KI-Systeme bis 2030 mindestens 80 Prozent ihrer Arbeit übernehmen. In der US-Bevölkerung teilen diese Einschätzung nur etwa fünf Prozent. Besonders deutlich wird die Erwartungslücke im Median: Anthropic-Mitarbeitende gehen davon aus, dass KI Ende 2030 rund 95 Prozent des Arbeitsaufwands beim Erstellen neuer KI-Modelle übernimmt. Die Studie zeigt, dass US-Erwachsene und Anthropic-Mitarbeitende bei den bereits heute möglichen KI-Funktionen weitgehend übereinstimmen. Uneins sind sie sich beim Tempo der Weiterentwicklung, bei der voraussichtlichen Verbreitung und beim erwarteten Zeitgewinn. Als mögliche Erklärung nennt Anthropic, dass eigene Mitarbeitende oft früheren Zugang zu neuen Modellen und höhere Werkzeuge-Budgets haben. Zugleich arbeiten US-Beschäftigte überproportional häufig in manuellen, produktiven oder Dienstleistungsberufen, die sie als weniger durch KI ersetzbar einschätzen. Auch bei den erwarteten Folgen für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft klaffen die Prognosen auseinander. Viele Anthropic-Mitarbeitende rechnen für 2030 mit einer Arbeitslosenquote über zwölf Prozent, während US-Erwachsene überwiegend von etwa acht Prozent oder weniger ausgehen. Aktuell liegt die Quote bei 4,2 Prozent. Beim Wirtschaftswachstum prognostizieren Anthropic-Beschäftigte für 2030 im Median ein BIP-Wachstum von 17,1 Prozent, in der US-Bevölkerung nur 5,4 Prozent. Im Vorjahr wuchs die US-Wirtschaft um 2,2 Prozent. Anthropic-Chefökonom Peter McCrory sieht die internen Werte als möglichen Frühindikator, weil das Unternehmen bei der KI-Nutzung der Gesamtwirtschaft etwa eineinhalb Jahre voraus sei. Die Erwartungen der Belegschaft decken sich teilweise mit Einschätzungen von Anthropic-Geschäftsführer Dario Amodei. Dieser hatte im März 2025 gesagt, KI werde binnen sechs Monaten 90 Prozent des Codes schreiben und innerhalb eines Jahres nahezu alles Code erzeugen. Im Mai 2025 sagte er zudem, dass KI binnen fünf Jahren rund die Hälfte der Einstiegspositionen in Wissens- und Büroberufen wegfallen lassen und die Arbeitslosigkeit auf zehn bis zwanzig Prozent steigen könnte. Amodei betrachtet KI nicht als Ersatz einzelner Jobs, sondern als breiten Arbeitskraftersatz, der kurzfristig einen unerwartet großen Schock für den Arbeitsmarkt auslösen, aber langfristig starkes Wachstum ermöglichen könne. Forschung und Praxis liefern bislang jedoch ein gemischtes Bild. Ein Yale-Team stellte kürzlich fest, dass KI in den Vereinigten Staaten vor allem Tätigkeitsprofile verändert habe, aber keinen erkennbaren Zusammenhang mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zeige. Die Anthropic-Studie deutet dennoch auf eine breite Erwartungslücke zwischen KI-Insidern und der breiten Öffentlichkeit hin, mit möglichen Folgen für Arbeitsmarktpolitik, Qualifizierung, Unternehmensplanung und gesellschaftliche Debatten über die Zukunft der Arbeit.

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