Künstliche Intelligenz bedroht Kapitalismus und führt zu Massenarbeitslosigkeit
Mo Gawdat, ehemaliger Führungskraft bei Google X und langjähriger Technologieexperte aus dem Bereich Big Tech, warnt vor einer tiefgreifenden Krise, die durch die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz ausgelöst werden könnte. In einem Gespräch mit Business Insider erklärte er, dass AI nicht nur Arbeitsplätze in der Produktion oder im Dienstleistungssektor bedrohe, sondern auch die höchsten Positionen in Unternehmen – einschließlich der Rolle des CEOs. Seiner Ansicht nach zerstört künstliche Intelligenz die fundamentale Logik des modernen Kapitalismus: die Ausnutzung von Lohnunterschieden, bei der Menschen für weniger bezahlt werden, als der Wert ihrer Arbeit beträgt. Sobald Maschinen die Mehrheit der Arbeit übernehmen, verschwindet dieser Wertschöpfungsmechanismus, da die Produktionskosten nahe null gehen. Gawdat sieht in der AI keine bloße Automatisierung, sondern eine Transformation, die den menschlichen Arbeits- und Entscheidungsprozess überflüssig macht. Dadurch gerät das gesamte wirtschaftliche System in Gefahr: sinkende Löhne, verlorene Jobs und ein Einbruch der Konsumkraft. Ohne ausreichende Kaufkraft funktioniert der Kapitalismus nicht mehr. Er warnt vor einer Welle von Arbeitslosigkeit, die nicht nur Arbeiter, sondern auch Manager, Anwälte, Analysten und Autoren betreffen wird. „Wir werden Zeugen von 20 bis 50 Prozent Arbeitslosigkeit in bestimmten Sektoren“, sagt er. Selbst die Führungsetagen sind nicht sicher – AI sei bereits besser als Menschen bei der Führung von Unternehmen. Die Folge: Ein Zusammenbruch der Konsumnachfrage, der staatliche Eingriffe erzwingen wird. Ohne Einkommen können Menschen nicht mehr kaufen, und ohne Käufer bricht die Wirtschaft zusammen. Gawdat erwartet daher, dass Regierungen auf staatliche Einkommensgarantien wie ein bedingungsloses Grundeinkommen zurückgreifen müssen, um die Gesellschaft stabil zu halten. Dabei sieht er westliche Volkswirtschaften, die auf Produktivität und individuelle Leistung setzen, als besonders gefährdet. Trotz der dramatischen Prognosen betrachtet Gawdat AI nicht als böse Macht. Vielmehr sei Intelligenz an sich neutral – der eigentliche Risikofaktor liege in der menschlichen Moral und den bestehenden Strukturen aus Gier und Wettbewerb, in denen die Technologie heute eingesetzt wird. Sobald AI jedoch rationalere Entscheidungen trifft als menschliche Politiker oder Manager, könnte sie zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen. Der Kapitalismus in seiner heutigen Form werde nicht überleben, doch das bedeute nicht, dass die Zukunft düster sei. Vielmehr sei dies eine Chance, ein neues, nachhaltigeres System zu schaffen – eine „Einladung zur Veränderung“, die nicht nur Überleben, sondern echtes Wohlergehen ermögliche. Industrielle Beobachter teilen die Sorge vor einer strukturellen Krise, betonen aber auch, dass die Transition langfristig gestaltet werden könne. Unternehmen wie Alphabet oder Microsoft arbeiten bereits an ethischen Richtlinien für KI, während einige Ökonomen die Einführung von Grundeinkommen in Pilotprojekten prüfen. Gawdats Stimme bleibt eine der eindringlichsten in der Debatte um die Zukunft der Arbeit – nicht als Apokalyptiker, sondern als Visionär, der eine Umgestaltung der Gesellschaft als notwendig und möglich sieht.
