Gesichtsfotos zeigen beschleunigte Alterung und schlechtere Krebsprognose
Ein Forschungsteam des Mass General Brigham hat untersucht, wie die künstliche Intelligenz FaceAge genutzt werden kann, um das biologische Altern anhand von Gesichtsfotos vorherzusagen. In einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, stellten die Forscher fest, dass die Analyse mehrerer Fotos über einen Zeitraum hinweg präzisere Aussagen über das Überleben von Krebspatienten ermöglicht als einzelne Aufnahmen. Als neuer biomarker dient hierbei der Face Aging Rate (FAR), der die Veränderung des biologischen Alters misst. Die Studie analysierte Daten von 2.279 Krebspatienten, die zwischen 2012 und 2023 am Brigham and Women's Hospital mindestens zwei Bestrahlungskurse erhielten. Zu jedem Zeitpunkt wurden routinemäßige Gesichtsfotos aufgenommen. Der FAR wurde als Differenz der FaceAge-Werte zwischen zwei Zeitpunkten geteilt durch die vergangene Zeit berechnet. Zusätzlich wurde die FaceAge Deviation (FAD) ermittelt, welche angibt, wie viel älter oder jünger ein Patient im Vergleich zu seinem chronologischen Alter zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht. Die Ergebnisse zeigten ein deutliches Muster: Bei den Patienten verlief das Gesichtsaltern im Durchschnitt 40 Prozent schneller als das tatsächliche Alter. Ein höherer FAR, also eine beschleunigte Alterung, war signifikant mit einer niedrigeren Überlebenswahrscheinlichkeit verbunden. Dieser Effekt war am stärksten ausgeprägt, wenn der zeitliche Abstand zwischen den beiden Fotos zwei Jahre oder mehr betrug. Patienten mit sowohl hohen FAD- als auch hohen FAR-Werten hatten die schlechtesten Prognosen. Besonders hervorzuheben ist, dass der FAR dynamische Messungen liefert und über längere Zeiträume hinweg zuverlässiger auf das Überleben schließen lässt als die einzelne FAD-Messung. Raymond Mak, leitender Autor und Strahlentherapeut am Mass General Brigham Cancer Institute, betont, dass die Ableitung eines Face Aging Rate aus mehreren Routineaufnahmen eine nahezu Echtzeit-Überwachung der Gesundheit ermöglicht. Er sieht in der Messung des FaceAge über die Zeit ein Werkzeug, um personalisierte Behandlungspläne zu verfeinern, die Patientenberatung zu verbessern und die Häufigkeit sowie Intensität von Nachsorgeterminals in der Onkologie anzupassen. Hugo Aerts, Direktor des Programms für künstliche Intelligenz in der Medizin, ergänzt, dass die Nachverfolgung des FaceAge über einfache Fotos einen nicht-invasiven, kosteneffektiven Biomarker darstellt. Dieser könnte Patienten mit Krebs sowie gesunden Menschen oder Patienten mit anderen chronischen Krankheiten prognostische Informationen liefern. Eine weitere kürzlich im JNCI veröffentlichte Studie mit über 24.500 Krebspatienten bestätigte, dass Personen mit einem FaceAge von mehr als zehn Jahren höher als ihr chronologisches Alter signifikant schlechtere Überlebenswerte aufwiesen. Die Forscher betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um diese Technologie in diverseren Populationen zu evaluieren. Um den Fortschritt der Forschung voranzutreiben, hat das Team eine vom Ethikkommission genehmigte Webplattform eingeführt. Über diese kann die Allgemeinbevölkerung eigene Gesichtsfotos hochladen, um ein FaceAge-Resultat zu erhalten und an der Forschung teilzunehmen. Die laufende Arbeit zielt darauf ab, die prognostische Aussagekraft dieser Technologie bei verschiedenen Krebsarten und anderen Erkrankungen weiter zu untersuchen.
