SPJ aktualisiert Ethikkodex für KI-Zeitalter
Die Society of Professional Journalists (SPJ) überarbeitet erstmals seit 2014 ihren institutionellen Ehrenkodex, um den Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung der Medienlandschaft zu begegnen. Das Verfahren, das nach intensiven Arbeitsgruppen-Sitzungen im Juni in Indianapolis resultierte, mündet in einem 967-Wörter-Entwurf, der im Oktober der Gesamtkonferenz zur Abstimmung vorgelegt wird. Treiber der Revision sind die rasant steigende Nutzung generativer KI-Tools, strukturelle Veränderungen im Nachrichtenmarkt und ein sinkendes öffentliches Vertrauen in Redaktionen. Gleichzeitig hat sich der Begriff des professionellen Journalisten gewandelt: Unabhängige Creator und Freelancer decken heute etwa ein Drittel der journalistischen Tätigkeit ab. Laut Ethikkomitee und Vorsitzender Dan Axelrod bleibt der Kodex jedoch ein unverzichtbares Instrument zum Schutz der Demokratie und zur Wahrung redaktioneller Standards. Die vier historischen Kernprinzipien – Wahrheit suchen, Schaden minimieren, Unabhängigkeit wahren sowie Transparenz und Rechenschaftspflicht gewährleisten – bleiben dabei erhalten. Der Entwurf adressiert technologiebezogene Risiken explizit: Es wird klargestellt, dass KI oder andere Automatisierungswerkzeuge nicht als Entschuldigung für ungenaue oder unfaire Berichterstattung dienen dürfen. Die ethische Verantwortung verbleibt allein beim menschlichen Redakteur. Zusätzlich wird der Geltungsbereich formell auf freischaffende und plattformbasierte Medienschaffende ausgeweitet, für die der Kodex als freiwilliger Orientierungsrahmen fungieren soll. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist die Modernisierung sozialer und narrativer Formulierungen. Die als paternalistisch kritisierte Formulierung Stimme den Sprachlosen geben wurde ersetzt durch den Auftrag, wachsam und mutig Machtstrukturen zu hinterfragen sowie marginalisierte Perspektiven systematisch in die Berichterstattung zu integrieren, um die faktische Genauigkeit von Stories zu erhöhen. Medienethiker wie Eric Deggans und SPJ-Präsident Chris Vaccaro unterstreichen die normative Kraft des Entwurfs. Insbesondere in redaktionellen Ökosystemen unter ökonomischem Druck durch nicht-journalistische Investoren oder in Umgebungen mit eingeschränkter Pressefreiheit dient der Text als zentrale Referenz. Mit bereits vorliegenden Übersetzungen plant die SPJ eine breite internationale Rezeption. Die bevorstehende Abstimmung im Oktober wird maßgeblich darüber entscheiden, ob der neue Standard als branchenweite Richtlinie für die KI-Ära bestätigt wird.