Chinas Tech-Riesen kämpfen um AI-Marktanteil mit Lunar-New-Year-Gewinnspielen
Mit Beginn des Jahres des Pferdes am Wochenende starten Chinas Tech-Riesen eine massenhafte Werbekampagne, die als „Krieg um künstliche Intelligenz im chinesischen Neujahrsfest“ bezeichnet wird. Um ihre jeweiligen AI-Modelle zu verbreiten, geben Unternehmen wie ByteDance, Baidu, Tencent und Alibaba Milliarden an Geld, Autos, digitale Roten Umschläge und andere Prämien aus. ByteDance verteilt 100.000 Preise im Rahmen der großen Neujahrs-Talkshow, darunter Luxusautos, und verschenkt Geldpakete im Wert von 8.888 Yuan (ca. 1.280 US-Dollar). Baidu, Tencent und Alibaba setzen noch höher: Baidu investiert 500 Millionen Yuan (ca. 72 Mio. US-Dollar) für sein Ernie-Chatbot, Tencent verdoppelt mit einer Milliarde Yuan (ca. 145 Mio. US-Dollar) für Yuanbao, während Alibaba mit 3 Milliarden Yuan (ca. 434 Mio. US-Dollar) für Qwen die größte Summe aufwirft. Die Aktionen sorgten für solche Nachfrage, dass Alibaba seine Infrastruktur dringend ausbauen musste, um Serverausfälle bei der Qwen-App zu vermeiden. Analysten sehen diesen Wettlauf als entscheidende Gelegenheit, Nutzer zu gewinnen und Entwicklerökosysteme aufzubauen, bevor sich ein Marktführer durchsetzt. „Es ist ein High-Stakes-Rennen um Marktanteile und Ökosysteme, bevor Wettbewerber dominieren“, sagt Charlie Dai von Forrester. Gleichzeitig bleibt die Rentabilität unklar – auch global. Parallel zu den Giveaways präsentieren die Unternehmen neue, leistungsfähigere Modelle: ByteDance stellte Seedance 2.0 vor, eine Video-Generations-Plattform, die bereits viralen Hype erzeugte – etwa mit einem künstlich generierten Kampf zwischen Tom Cruise und Brad Pitt. Elon Musk reagierte mit dem Kommentar: „Es passiert schnell.“ Zhipu AI (Z.ai) veröffentlichte das neue GLM-5-Modell, das mit Anthropic’s Claude Opus 4.5 konkurrieren soll, während MiniMax seine M2.5-Modelle für die Öffentlichkeit freigab. Erwartet werden weitere Ankündigungen von DeepSeek und Alibaba in den Feiertagen. Die Neujahrs-Tradition, mit Produkten und Werbeaktionen Aufmerksamkeit zu erregen, wird nun auf die KI-Industrie übertragen. Vor einem Jahr hatte DeepSeek mit seinem kostengünstigen Modell den globalen Markt schockiert – der sogenannte „DeepSeek-Moment“. Die derzeitige Offensive erinnert an frühere chinesische Strategien in Branchen wie Stahl, Solarenergie und Elektrofahrzeuge, bei denen massive Subventionen und Preisdumping zu internationalen Spannungen führten. Doch dieses Mal geht es um die Kontrolle über die Zukunft der KI. Auch die Regierung ist aktiv: Premier Li Qiang leitete eine Studiensitzung über KI und forderte eine stärkere Koordination von Daten, Rechenleistung und Netzinfrastruktur, um die großflächige kommerzielle Nutzung von KI zu beschleunigen. Die Kampagne ist somit nicht nur ein Wettbewerb um Nutzer, sondern auch ein geopolitisches Signal: China will sich als globale KI-Macht etablieren – mit allen Mitteln.
