Ellison verliert 49 Milliarden Dollar bei Software-Verkaufsrutte
Larry Ellison, Mitbegründer und Technikchef von Oracle, verlor in diesem Jahr bislang rund 49 Milliarden US-Dollar an Vermögen, was auf einen Rekordverlust in der Technologiebranche zurückzuführen ist. Laut dem Bloomberg Billionaires Index sank sein Nettovermögen von 247 Milliarden Dollar zu Jahresbeginn auf 199 Milliarden Dollar am Mittwoch. Ein 5-Prozent-Abverkauf des Oracle-Aktienkurses am Mittwoch allein kostete ihn rund 9 Milliarden Dollar. Der Rückgang ist Teil einer breiten Verkaufswelle bei Softwareunternehmen, die durch die jüngste Einführung von Plugins für den KI-Agenten Claude Cowork durch Anthropic ausgelöst wurde. Diese Tools können Aufgaben in Rechtswesen, Vertrieb, Finanzen, Marketing und Datenanalyse automatisieren – was Unternehmen die Abhängigkeit von externen Softwarelösungen von Firmen wie Adobe, Salesforce, Intuit und Atlassian verringern könnte. Die betroffenen Unternehmen sahen ihre Aktienkurse zunächst stark einbrechen, bevor sie am Mittwoch teilweise zurückkehrten, als einige Investoren den Verkauf als überzogen erachteten. Ellison war einer von mehreren Tech-Prominenten, die am Mittwoch erhebliche Vermögensverluste hinnehmen mussten: Elon Musk verlor rund 11 Milliarden Dollar, Mark Zuckerberg etwa 8 Milliarden, während Larry Page, Sergey Brin, Jeff Bezos und Jensen Huang jeweils rund 5 Milliarden Dollar verloren – alle aufgrund von Minusbewegungen bei ihren Unternehmen. Oracle hatte sich stark auf die KI-Revolution spezialisiert und Partnerschaften mit Nvidia und OpenAI geschlossen, um eine führende Rolle bei der Bereitstellung von Rechenzentren für KI-Anwendungen zu übernehmen. Doch die aggressive Expansion und der Anstieg der Verschuldung haben Bedenken geweckt. So stieg der Wert der „remaining performance obligations“ – vertraglich zugesagte, noch nicht als Umsatz gebuchte Leistungen – bis zum 30. November um 438 Prozent auf 523 Milliarden Dollar, was fast zehnmal so hoch ist wie der Umsatz des letzten Geschäftsjahres von 53 Milliarden Dollar. Der bekannte Anleger Michael Burry, der durch „The Big Short“ bekannt wurde, kritisierte Oracle scharf: Er bezeichnete die Verschuldung und die Abhängigkeit von einem großen OpenAI-Vertrag als unnötig und fragte sich, warum Oracle „dieses Risiko eingehen musste“, da das Unternehmen bereits eine solide Basis hatte. In einem Beitrag betonte er, dass die Investitionen unklar und schwer nachvollziehbar seien und möglicherweise von Ego getrieben seien. Diese Kritik unterstreicht die wachsende Skepsis gegenüber Oracles Strategie, die zwar ambitioniert ist, aber finanzielle Risiken birgt. Industrieanalysten warnen, dass Oracle zwar technologisch aktiv ist, aber die Marktdynamik durch KI-Tools wie Claude Cowork zunehmend herausgefordert wird. Die Zukunft des Unternehmens könnte weniger von traditionellen Softwareverkäufen abhängen, sondern stärker von der Fähigkeit, KI-Infrastruktur zu skalieren und dabei finanziell stabil zu bleiben.
