Reid Hoffmanns AI-Zwilling zeigt positives Potenzial von Deepfakes
Reid Hoffman, Mitbegründer von LinkedIn und renommierter Silicon Valley-Investor, hat ein künstliches AI-Abbild von sich selbst entwickelt, um die Möglichkeiten von Deepfake-Technologie für positive Zwecke zu untersuchen. In einem Interview auf der Podcast-Serie „American Optimist“ enthüllte er, dass er eine künstliche Version seiner selbst – „Reid AI“ – mithilfe eines maßgeschneiderten GPT-Modells, der Sprachsynthese-Plattform ElevenLabs und Video-Generierungstools erstellt hat. Ziel war es, die Technologie, die meist mit Falschinformationen und Betrug assoziiert wird, auf ihre ethische und nutzbringende Anwendung hin zu testen. Sein AI-Twin spricht nun mehrere Sprachen, darunter Hindi, Chinesisch und Japanisch – Sprachen, die Hoffman selbst nicht spricht. Nach einer Rede an der Universität Perugia im Mai 2024 nutzte er die KI, um denselben Vortrag in mehreren Sprachen zu übersetzen und vorzutragen. „Ich habe noch nie meine eigene Stimme in Hindi oder Japanisch gehört – und es war unglaublich, wie echt es klang“, sagte er. Hoffman betont, dass die Projekte noch in einer experimentellen Phase sind, aber bereits vielversprechende Anwendungen für die Sprachbarriereüberwindung und den globalen Wissensaustausch aufzeigen. Besonders hervorhebenswert ist die verbesserte Zugänglichkeit von Bildungsinhalten und öffentlichen Reden für internationale Zuhörer. Dennoch räumt er die Risiken ein: „Ich habe es noch nicht in die Öffentlichkeit gebracht, weil es zu gefährlich wäre, wenn Hacker es für falsche Aussagen missbrauchen.“ Tatsächlich wurden Deepfakes bereits missbraucht – etwa bei gefälschten Anrufen im Namen von US-Präsident Joe Biden vor der New-Hampshire-Primärwahl oder bei gefälschten Nachrichten von ukrainischem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Hoffman setzt auf Transparenz: Der künstliche Charakter seines AI-Twins wird stets deutlich gemacht, und die Nutzung bleibt streng kontrolliert. Sein zentraler Gedanke: Nicht alle Deepfakes sind böse. Mit ethischem Design und bewusster Anwendung könnte die Technologie zur Verbindung von Kulturen, zur Förderung von Verständnis und zur globalen Kommunikation beitragen. „Als Technooptimisten fragen wir uns: Wie können wir diese Technologie so gestalten, dass sie gut eingesetzt wird?“ Auch andere Persönlichkeiten testen ähnliche Ansätze: Steven Bartlett, der Moderator des Podcasts „The Diary of a CEO“, nutzte im Mai 2024 eine KI-Version von sich selbst, um eine neue Serie über 100 CEOs zu präsentieren. Industrieexperten sehen in Hoffmans Projekt einen wichtigen Schritt zur Verantwortung in der KI-Entwicklung. „Es zeigt, dass Deepfakes nicht per se schlecht sind – sondern abhängig von der Absicht und Kontrolle“, sagt eine KI-Ethikforscherin. Hoffmans Ansatz wird als Modell für kreative, ethische Nutzung der Technologie gewertet. Sein Unternehmen, Greylock Partners, fördert ebenfalls KI-Innovationen mit Fokus auf gesellschaftlichen Nutzen. Die Entwicklung von „Reid AI“ ist damit nicht nur technologisch beeindruckend, sondern auch ein Signal für eine verantwortungsvolle Zukunft der künstlichen Intelligenz.
