KI-Forum: Russland und China diskutieren Entwicklungsperspektiven – Karpathy prognostiziert zehn Jahre bis zu funktionsfähigen KI-Agenten
Am 18. Oktober fand im Rahmen des 2025通州·全球发展论坛 in Peking der Kongress „Künstliche Intelligenz und neue Entwicklungsströmungen weltweit: Russland-China-Strategiedialog“ statt, organisiert von der Renmin-Universität Peking und gemeinsam durchgeführt von der Hochschule für künstliche Intelligenz, dem Centre for Financial Studies und der Global Leadership Academy. Ziel war es, die Umsetzung der chinesischen Regierungsrichtlinie „Künstliche Intelligenz plus“ voranzutreiben und die Auswirkungen von KI auf globale Entwicklung, Innovation und Governance zu diskutieren. Rund 100 Experten, Wissenschaftler und Studierende aus China und Russland trafen sich, um über Chancen und Herausforderungen der KI im globalen Kontext zu sprechen. Die Eröffnungsreden wurden von Renmin-Universität-Dezernent Qinggelertu und Li Yafang, stellvertretende Generaldirektorin des Auswärtigen Presseamts und Direktorin des Instituts für Gegenwart China und Welt, gehalten. Sie betonten die zentrale Rolle der KI als Triebkraft für wirtschaftliches Wachstum und globale Herausforderungen wie Klimawandel und Gesundheitsversorgung. Li Yafang forderte eine verstärkte strategische Zusammenarbeit zwischen China und Russland, Innovationsteilhabe, gemeinsame Governance-Modelle und konkrete Projekte im Bereich der internationalen KI-Verbreitung. Der russische Experte Sergej Dmitrijewitsch Bodronov, Präsident der Freien Wirtschaftsvereinigung Russlands und Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, hob hervor, dass die KI eine mehrschichtige Entwicklung ist, die Wissenschaft, Technik, Gesellschaft und Ethik umfasst. Er plädierte für eine neue globale Governance, die auf Verständigung, adaptiven Systemen und ethischen Grundwerten basiert. Die enge Zusammenarbeit zwischen China und Russland in Forschung, Industrie und Sicherheit sei ein Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung. Der chinesische Experte Liang Zheng von der Tsinghua-Universität analysierte die Entwicklung der KI in beiden Ländern und betonte, dass China in der KI-Forschung und -Anwendung, insbesondere in der industriellen und öffentlichen Verwaltung, Fortschritte gemacht habe. Er warnte jedoch vor einem „Gerechtigkeitsdefizit“ und einer „Fähigkeitslücke“ im globalen KI-Governance-System. Gemeinsam mit Russland könne man in multilateralen Organisationen wie BRICS oder der SCO eine inklusive und sichere KI-Ordnung fördern. Der Forscher Zeng Yi von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften betonte, dass KI-Arbeit bisher zu sehr auf kurzfristig rentable Bereiche wie Bildung und Medizin fokussiert sei, während langfristige Ziele wie Nahrungssicherheit oder Biodiversität vernachlässigt würden. Er forderte eine ethische Grundlage für KI, die „menschliche und KI-Kooperation“ als Kernprinzip verankert. Eine globale Zusammenarbeit sei notwendig, um eine nachhaltige, gerechte und inklusive intelligente Gesellschaft zu schaffen. Zwei Podiumsdiskussionen vertieften die Themen: Erstens die Rolle der KI in der sozialökonomischen Entwicklung, bei der Experten wie Bodronov und Liang Zheng die Notwendigkeit von Standards und internationaler Kooperation betonten. Zweitens die ethische und sicherheitsrelevante Governance von KI, bei der auch russische Wissenschaftler wie Nikolai Dmitriev und Chinesen wie Zeng Yi und Cai Tongjuan auf die Gefahren von „AI-Slop“ und fehlerhaften Agenten hinwiesen. Parallel dazu äußerte der OpenAI-Mitbegründer Andrej Karpathy Skepsis gegenüber der derzeitigen Entwicklung von KI-Agenten. Er kritisierte, dass diese noch nicht ausreichend intelligent seien, keine kontinuierliche Lernfähigkeit besäßen und oft falsche Annahmen machten. Er befürwortet eine mensch-zentrierte Zusammenarbeit, bei der KI den Menschen unterstützt, anstatt ihn zu ersetzen. Seine Vision: ein kooperativer Prozess, bei dem Menschen lernen und sich weiterentwickeln – nicht nur Code erhalten, den sie nicht verstehen. Trotz Skepsis bleibt er optimistisch: Die KI-Entwicklung werde in 5 bis 10 Jahren deutlich voranschreiten, aber nur, wenn man realistisch bleibt.
