AI unterstützt Skater bei Quint- Sprüngen – Forscher sehen ersten Erfolg in Sicht
Jerry Lu, ein ehemaliger Forscher am MIT Sports Lab und Absolvent des MFin-Programms 2024, hat ein künstliches Intelligenz-System namens OOFSkate entwickelt, das die Leistung von Eiskunstläufer:innen analysiert und Verbesserungsvorschläge für Sprünge wie den Quadruple Axel oder den Lutz liefert. Das System nutzt optische Tracking-Technologie und künstliche Intelligenz, um Videodaten von Sprüngen zu verarbeiten und präzise physikalische Metriken wie Sprunghöhe, Drehzahl und Landequalität zu ermitteln. Mit einer einfachen Videomontage kann ein Skater seine Leistung mit der von Weltmeistern vergleichen und erhalten, wie gut er nach internationalen Urteilsrichtlinien bewertet würde. Besonders wertvoll ist dabei, dass OOFSkate auch subtile Fehler erkennt, die das Auge übersehen könnte. Lu arbeitet nun mit NBC Sports bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Milano-Cortina zusammen, um Zuschauer:innen die komplexen Bewertungssysteme im Eiskunstlauf, Snowboard und Skifahren verständlicher zu machen – durch datenbasierte Erklärungen und visuelle Analysen. Professorin Anette „Peko“ Hosoi, Mitbegründerin und Leiterin des MIT Sports Lab, forscht gemeinsam mit Lu an der Frage, ob KI auch die ästhetische Seite des Eiskunstlaufs bewerten könnte. Dazu nutzt sie ein Projekt, das durch ein MITHIC-Stipendium finanziert wird und mit Professor Arthur Bahr sowie dem IDSS-Studenten Eric Liu kooperiert. Ziel ist es, herauszufinden, ob KI-Systeme ästhetische Urteile nicht einfach nachahmen, sondern tatsächlich menschliche Denkprozesse nachvollziehen – etwa die Unterschiede zwischen Expert:innen und Laien bei der Bewertung von Leistungen. Da im Eiskunstlauf klare Skalen existieren, bietet sich diese Disziplin ideal für solche Untersuchungen an. Hosoi ist überzeugt, dass ein Quintupel-Sprung – also fünf volle Umdrehungen – bereits in naher Zukunft möglich ist. Obwohl er in den aktuellen Spielen 2026 nicht zu erwarten ist, sieht sie die technische Grenze des Menschen bei sechs Umdrehungen erreicht, während fünf innerhalb des physiologischen Rahmens liegen. Die Forschung zeigt, dass KI nicht nur als Trainingswerkzeug, sondern auch als Schlüssel zur Verständnisverbesserung von Sport und Urteilskraft dient. Durch die Analyse von Bewegungsdaten und die Simulation menschlicher Bewertungsprozesse tragen Projekte wie OOFSkate dazu bei, die scheinbar mühelose Leistung von Olympioniken zu entmystifizieren und die technischen Herausforderungen sichtbar zu machen. Für Lu ist die Arbeit in der Olympiade ein bedeutender Schritt: „Wir arbeiten mit Sportlern, die die Grenzen des Möglichen testen – und KI hilft dabei, diese Grenzen besser zu verstehen.“ Die Kombination aus Technologie, Sport und menschlicher Wahrnehmung öffnet neue Wege für die Entwicklung von KI-Modellen, die nicht nur rechnen, sondern auch verstehen lernen. In der Branche wird die Arbeit als wegweisend angesehen. Expert:innen betonen, dass die Anwendung von KI in anspruchsvollen, hochgradig technischen Sportarten wie Eiskunstlauf eine neue Ära der Leistungsanalyse einläutet. Die Fähigkeit, menschliche Bewegung präzise zu messen und gleichzeitig menschliche Urteilsprozesse zu simulieren, könnte künftig auch in anderen Bereichen wie Medizin, Rehabilitation oder künstlerischer Leistung genutzt werden. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Sport zeigt, wie künstliche Intelligenz nicht nur die Leistung steigern, sondern auch das Verständnis für die Kunst des Sports vertiefen kann.
