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vor 3 Monaten
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Generative KI

Unternehmen ermutigen Bewerber, KI in Vorstellungsgesprächen zu nutzen

Viele Unternehmen, darunter Canva, Meta und McKinsey, integrieren nun künstliche Intelligenz (KI) in bestimmte Phasen des Einstellungsprozesses – nicht mehr als Risiko, sondern als Bewertungskriterium. Früher fürchteten Führungskräfte, Kandidaten könnten KI-Tools wie ChatGPT nutzen, um Bewerbungsgespräche zu manipulieren. Doch mit der zunehmenden Integration von KI in den täglichen Arbeitsalltag haben sich die Unternehmen umgedreht. Statt KI zu verbieten, testen sie nun, wie gut Bewerber mit ihr umgehen können. Bei Canva etwa, dem grafikbasierten Softwareunternehmen mit rund 265 Millionen monatlichen Nutzern, hat CTO Brendan Humphreys die technischen Interviews neu gestaltet. Statt klare, standardisierte Fragen zu stellen, werden nun komplexe, mehrdeutige Aufgaben gestellt, die sich nicht einfach durch KI lösen lassen. „Wenn du die Frage einfach in eine KI gibst, bekommst du eine suboptimale Antwort“, sagt Humphreys. Stattdessen wird erwartet, dass Kandidaten ihre Interaktion mit KI zeigen – etwa durch gemeinsame Bildschirmfreigabe, damit das Unternehmen nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Denkprozess sieht. Auch das IT-Startup Arcade hat seine Einstellungspraxis angepasst. Kandidaten für technische Stellen sollen nun KI-Tools bei ihren Take-Home-Aufgaben frei nutzen, müssen aber anschließend eine Transkript ihrer Gespräche mit der KI beifügen. Das Ziel: herauszufinden, ob sie KI nicht nur nutzen, sondern auch kritisch und strategisch einsetzen können. CEO Alex Salazar betont, dass dies nicht nur die technische Kompetenz, sondern auch das „Geschmacksurteil“ der Kandidaten zeigt – denn die besten Ergebnisse entstehen oft durch mehrfache Iterationen mit KI. Meta arbeitet an einem KI-gestützten Codierungsinterview, das realistischer den Arbeitsalltag von Entwicklern widerspiegelt und gleichzeitig das Risiko von KI-basiertem „Cheating“ verringert. McKinsey testet in seinem Graduiertenrekrutierungsprozess, ob Kandidaten die interne KI-Assistentin Lilli sinnvoll nutzen können, um Fallstudien zu bearbeiten. Diese Entwicklung zeigt eine klare Trendwende: Unternehmen wollen nicht nur Kandidaten, die allein arbeiten können, sondern solche, die KI als Werkzeug beherrschen. Wie Humphreys sagt: „Wir testen die Fähigkeit, die Macht zu nutzen, sie zu beherrschen – so wie man einen Drachen reitet.“ Industrieexperten warnen jedoch vor Missbrauch. Executive Coach Susan Peppercorn betont, dass Kandidaten, die sich durch KI aus der Patsche ziehen, früher oder später auffliegen werden – denn sie müssen ihre Entscheidungsfindung erklären können. Die Fähigkeit, den Denkprozess hinter einer Lösung zu vermitteln, ist entscheidend. Diese neuen Ansätze signalisieren, dass die Zukunft der Arbeit nicht ohne KI ist – und die besten Mitarbeiter sind jene, die sie nicht nur nutzen, sondern auch verantwortungsvoll und kreativ einsetzen können.

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