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Neue Technik deckt versteckte Felsmalereien von Astuvansalmi auf

An internationales Forschungsteam unter der Leitung von Veikko Miettinen von der Universität Ostfinnland setzt innovative Bildgebungstechnologien ein, um die ältesten Felsmalereien Europas in Astuvansalmi, Finnland, detailliert zu dokumentieren und möglicherweise neue Bilder zu entdecken. An einem windigen Herbsttag am See Yövesi testen die Wissenschaftler eine neuartige hyperspektrale Kamera, die über hunderte Lichtkanäle verfügt und feinste Unterschiede in den roten Pigmenten sichtbar macht – eine Technik, die erst vor wenigen Jahren entwickelt wurde. Die Forscher können so nicht nur verschiedene Farbnuancen unterscheiden, sondern auch Rückschlüsse auf die Herstellungsmethoden der alten Künstler ziehen, die vermutlich Pigmente aus Blut, Fett oder Eiweiß mischten. Die gesamte Felswand wird mit mehreren Methoden erfasst: GigaPan-Panoramen, ein dreikamera-basiertes Scanning-System mit langem Arm, ein Matterport-3D-Scanner und hyperspektrale Aufnahmen an schwer zugänglichen Stellen. Die Daten werden in Echtzeit auf einer Cloud-Plattform gespeichert und dienen der Erstellung eines digitalen Zwillings der Malereien. Ein besonderer Fokus liegt auf der Rekonstruktion der historischen Wasserstände des Sees Saimaa. Mittels Spieltechnologie (Game Engine) wird das Wasser im digitalen Modell auf seine ehemalige Höhe angehoben – eine Methode, die es ermöglicht, potenzielle neue Fundorte für Felsmalereien zu identifizieren, da die Kunstwerke einst auf gefrorenem Eis oder von Booten aus entstanden sein könnten. Obwohl die Forscher keine physikalischen Proben entnehmen dürfen und die Pigmente nicht datierbar sind, erlaubt die Analyse der Farbkomposition und der Höhenlage der Bilder Rückschlüsse auf kulturelle Verbindungen – etwa zu den Malereien in Alta (Norwegen) oder Murmansk (Russland). Künstliche Intelligenz spielt eine zentrale Rolle bei der Mustererkennung. Neuronale Netze helfen, wiederkehrende Motive zu identifizieren, die auf eine bestimmte Künstlergruppe oder kulturelle Tradition hindeuten könnten. Allerdings warnt Historiker Kimmo Katajala vor vorschnellen Interpretationen: Wenn KI auf Daten aus anderen Regionen trainiert wird, könnte sie falsche Ergänzungen vorschlagen, die kulturell unpassend sind. Die Forscher betonen daher, dass KI lediglich ein Werkzeug für die Analyse ist, nicht zur „Rekonstruktion“ von Bildern verwendet werden sollte. Die digitale Archivierung ist das entscheidende Ziel: Die Malereien sind durch Witterung gefährdet und könnten in tausend Jahren verschwunden sein. Durch Virtual-Reality-Systeme können sie auch Menschen ohne Zugang zum Ort erfahrbar gemacht werden – etwa im Murmansk Regional Museum, wo Besucher mit VR-Brillen die Unterwasserwelt des Nordens aus der Perspektive von Tieren erkunden können. Die Arbeit in Astuvansalmi ist ein Paradebeispiel für die Synergie aus Informatik, Archäologie und Kulturtechnologie. Die Universität Ostfinnland, 360Finland und internationale Partner schaffen nicht nur ein detailliertes digitales Erbe, sondern eröffnen neue Wege, um die menschliche Vergangenheit zu bewahren und zu verstehen. Die Kombination aus hyperspektraler Bildgebung, 3D-Modellierung und KI ist ein Meilenstein in der archäologischen Forschung – und könnte den Schlüssel zu noch unentdeckten Kunstwerken liefern.

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