Corgi bestreitet Diebstahl von Open-Source-Software
Die Y-Combinator-geförderte Versicherungs-Tech-Start-up Corgi steht erneut in der öffentlichen Kritik. Der Co-Gründer von Papermark, Marc Seitz, warf Corgi vor, dessen neu vorgestelltes Dataroom-Produkt zu kopieren und als eigenes zu vermarkten. Grundlage des Vorwurfs waren identische Textpassagen und Funktionsweisen, die Seitz auf der Plattform X veröffentlichte und als klare Lizenz- sowie Urheberrechtsverletzung einstuften. Corgi-CEO Nico Laqua widerlegte die Anschuldigungen entschieden und betonte, es sei kein Quellcode von Papermark verwendet worden. Als Ursache für die visuellen und funktionalen Parallelen führte Laqua das sogenannte Vibe-Coding an. Dabei erzeugen KI-Tools durch stilistische Nachahmung ähnliche Produkte ohne direkten Code-Transfer. Corgi räumte ein, sich bei der Entwicklung zu stark an bestehenden Lösungen orientiert zu haben, und kündigte die sofortige Anpassung der betroffenen Einstellungen an. Die rechtliche Einordnung bleibt ambivalent. Nach geltendem Urheber- und Lizenzrecht ist ausschließlich der Quellcode relevant, während die ethische Dimension durch KI-gestützte Entwicklungsverfahren zunehmend herausgefordert wird. Corgi reagiert auf die öffentliche Aufmerksamkeit mit rechtlichen Schritten. Das Unternehmen verschickte Abmahnungen an Seitz und weitere kritische Kommentatoren und forderte die Löschung der Beiträge. Der Vorfall verschärft die ohnehin bereits negative Wahrnehmung des Unternehmens. Das zweijährige Start-up hat sich durch aggressive Rechtschritte gegen ex-Mitarbeiter einen Ruf als litigioses Unternehmen erarbeitet. Zudem stieß Laqua kürzlich mit seiner Forderung nach einer sechstägigen Arbeitswoche in einem Podcast auf breite Kritik, da wissenschaftliche Erkenntnisse kontinuierlich längere Arbeitszeiten als produktivitätsmindernd einstufen. Trotz dieser Kontroversen gelingt Corgi eine beschleunigte Finanzierung. Innerhalb weniger Monate folgten drei aufeinanderfolgende Kapitalisierungsrunden, wobei die jüngste Serie-B1-Runde über 106 Millionen US-Dollar das Unternehmen nun auf eine Bewertung von 2,6 Milliarden US-Dollar bringt. Die Debatte um Corgi markiert nicht nur einen individuellen Reputationskonflikt, sondern verdeutlicht einen systemischen Zielkonflikt zwischen schneller KI-gestützter Markteinführung und dem Schutz geistigen Eigentums in der Softwareentwicklung.
