KI-Screening könnte Glaukom-Überweisungen halbieren
Künstliche Intelligenz (KI) könnte dazu beitragen, unnötige Überweisungen zur Glaukom-Untersuchung um die Hälfte zu reduzieren. Glaukom ist weltweit eine der Hauptursachen für irreversible Erblindung und bleibt oft unentdeckt, bis bereits schwere Sehverluste eingetreten sind. Eine breite bevölkerungsweite Vorsorge wurde lange als unpraktisch angesehen, doch neue KI-Technologien könnten dies nun verändern. Eine in der Fachzeitschrift „The Lancet Primary Care" veröffentlichte Studie zeigt, dass ein KI-basiertes Screening-Tool die Anzahl der Überweisungen halbiert, während die Genauigkeit den Diagnosen von Augenärzten entspricht. Die Forschung wurde im Jahr 2023 an einem einzigen Screening-Zentrum in Lissabon, Portugal, durchgeführt. Dabei wurden 671 Erwachsene im Alter zwischen 55 und 65 Jahren auf Glaukom untersucht. Das KI-System analysierte dabei Augenhintergrundbilder. Zur Validierung wurden dieselben Bilder unabhängig von sechs Experten für Glaukom beurteilt. Das Ergebnis war eindeutig: Während der Augenärzte 118 Personen (18,0 %) an Spezialisten überwiesen, empfahl das KI-System nur 66 Personen (9,8 %) zur weiteren Abklärung. Bei 40 Teilnehmern (6,4 %) wurde tatsächlich ein Glaukom diagnostiziert. Die Leistungsfähigkeit des Tools liegt im Detail: Es erkannte korrekt 78 % der tatsächlich erkrankten Personen (im Vergleich zu 75 % bei den menschlichen Experten) und schloss die Krankheit mit einer Treffsicherheit von 95 % bei gesunden Personen aus (verglichen mit 91 % bei den Ärzten). Besonders hervorzuheben ist die hohe Fähigkeit der KI, Gesunde korrekt zu identifizieren. Da Fehlalarme unnötige Krankenhausbesuche, Angst bei den Patienten und eine zusätzliche Belastung des Gesundheitssystems verursachen können, ist diese Eigenschaft von großer klinischer Relevanz. Die Autoren der Studie betonen, dass KI-gestütztes Screening die Früherkennung unterstützen, unnötige Spezialistenüberweisungen vermeiden und so vermeidbaren Sehverlust verhindern könnte. Gleichzeitig könnte es kosteneffizient in die reguläre Primärversorgung integriert werden. Dennoch weisen die Forscher auf eine wichtige Einschränkung hin: Die Studie erfolgte im Rahmen eines bestehenden Diabetiker-Augenscreenings. Da ein Großteil der Teilnehmer Diabetes hatte, entsprechen die beobachteten Glaukom-Raten möglicherweise nicht denen der Allgemeinbevölkerung. Trotz dieses Faktors deuten die Ergebnisse darauf hin, dass KI erhebliches Potenzial besitzt, um die Effizienz der Augenheilkunde zu steigern und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden.
