NSF kürzt Forschungsbudgets für neue Technologieinitiative
Die US-National Science Foundation kürzt die Budgets ihrer traditionellen Grundlagenforschungsprogramme im laufenden Finanzjahr um zwanzig bis dreißig Prozent. Dieser radikale interne Umverteilungsprozess dient der Finanzierung der neuen X-Labs-Initiative mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Dollar. Obwohl der gesamte NSF-Haushalt nur um drei Prozent reduziert wurde, werden die Mittel gezielt von den etablierten Forschungsdirigaten auf die neu gegründete Direktion für Technologie, Innovation und Partnerschaften umgelenkt. Ein internes Memo vom 18. Juni belegt, dass beispielsweise die Mathematik- und Physikdirektion ihre Mittel um 30 Prozent reduzieren muss. Parallel dazu wurden zahlreiche weitere Fachbereiche um bis zu 200 Millionen Dollar gekürzt oder wie im Bereich der Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften vollständig aufgelöst. Die massiven Kürzungen haben unmittelbare operative Konsequenzen: Die Vergabe neuer Fördermittel wurde vorübergehend ausgesetzt oder stark eingeschränkt, bis den Programmleitern verbindliche Haushaltszahlen vorliegen. Innerhalb der ersten sechs Monate dieses Geschäftsjahres wurden deutlich weniger Zusagen erteilt als im Vorjahr. Das interne Schreiben weist die Mitarbeiter an, alle weiteren Bewilligungsempfehlungen zurückzustellen und die Änderungen streng intern zu halten, um Diskussionen bei den Antragstellenden zu vermeiden. Die X-Labs-Initiative zielt darauf ab, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Produkte und neue Industrien zu überführen. Die NSF plant, mehrere solcher Zentren über sechs Jahre hinweg mit bis zu 300 Millionen Dollar pro Einrichtung zu fördern. Für die Abwicklung nutzt die Agentur eine seltene Rechtsgrundlage, die Other Transaction Authority, die erheblich mehr Flexibilität bei der Mittelvergabe und Projektlenkung erlaubt als herkömmliche Forschungsprogramme. Dies ermöglicht die Einbindung nicht-akademischer Partner wie Venture-Capital-Firmen und beschleunigte Förderentscheidungen ohne wiederkehrende Antragsverfahren. Die ersten Förderphasen konzentrieren sich auf künftige Technologiefelder wie KI-gestützte Messtechnik, Quantensysteme und Photonik. Jedes Zentrum wird zunächst mit 1,5 Millionen Dollar startfinanziert, gefolgt von jährlichen Zuschüssen zwischen 10 und 50 Millionen Dollar. Die drastische Umverteilung steht im Widerspruch zu einer expliziten Anweisung des Kongresses im letzten Haushaltsbeschluss, die Kürzungen einzelner Dirigate auf maximal fünf Prozent gegenüber dem Stand von 2024 zu begrenzen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine stärkere kommerzielle Anwendungsforschung grundsätzlich befürworten, äußern Bestürzung über die gewählte Methode. Sie hätten erwartet, dass die seit 2022 existierende Direktion die X-Labs aus ihrem eigenen Etat stemmen könnte. Die NSF beschleunigt die Einführung: Die erste Antragsfrist endet Mitte Juli, erste Förderentscheidungen werden noch in diesem Herbst erwartet. Die langfristigen Auswirkungen auf die US-amerikanische Grundlagenforschung bleiben abzuwarten.
