Anthropic startet KI-Forschungswerkzeug Claude Science
Am 30. Juni 2026 hat Anthropic offiziell Claude Science vorgestellt, eine speziell auf wissenschaftliche Forschungsarbeiten zugeschnittene KI-Arbeitsumgebung. Trotz der Nutzung der bestehenden Claude-Opus-4.8-Architektur markiert die Plattform einen strategischen Wendepunkt im Bereich KI-gestützter Forschung. Der Fokus liegt nicht auf einem neuerlichen Modell-Upgrade, sondern auf der nahtlosen Integration von Forschungsworkflows, Datenbanken und Rechenressourcen in einer einzigen Oberfläche. Die Plattform fungiert als zentrales Steuerungsorgan für wissenschaftliche Projekte. Sie vernetzt über sechzig Datenbanken, bietet spezialisierte Tools für Genomik, Proteinfaltung und Chemie an und teilt komplexe Aufgaben in Teilprojekte auf, die von virtuellen Unterassistenten oder nutzerdefinierten Expert-Modellen übernommen werden. Ein integrierter KI-Prüfer validiert vor der Veröffentlichung Quellenangaben und Berechnungen, um die Verbreitung falscher Zitate oder nicht nachvollziehbarer Daten zu unterbinden. Reproduzierbarkeit wird durch die automatische Generierung von Quellcode, Laufzeitumgebungen und verständlichen Erklärungen für alle Ausgabedaten sichergestellt. Die Datenverarbeitung kann zudem direkt in der lokalen Infrastruktur der Nutzer erfolgen, ohne externe Server zu nutzen. Erste Praxiserfahrungen bestätigen das Potenzial: Forschungsgruppen der UCSF und des Allen Institute berichteten von beschleunigten Analysen bei Genom- bzw. Tumordaten. Harvard-Physiker Matthew Schwartz qualifizierte die Leistungsfähigkeit der KI im Laborumfeld als etwa gleichwertig mit der eines zweiten Doktoranden. Dieses Ergebnis unterstreicht einen branchenweiten Trend, bei dem KI-Systeme zunehmend von reinen Antwortgeneratoren zu aktiven Mitforschern avancieren. Der Markteintritt von Claude Science platziert Anthropic direkt im hart umkämpften Feld der KI-Forschungstools. Während Google DeepMind auf proprietäre Modelle wie AlphaFold und Gemini for Science setzt und OpenAI mit GPT-Rosalind einen streng geprüften Enterprise-Zugang wählt, verfolgt Anthropic eine offene Abonnement-Strategie. Unterstützt wird die Position durch die Rekrutierung von John Jumper, dem Mitentwickler von AlphaFold, der kürzlich zu Anthropic wechselte. Zusätzlich kündigt das Unternehmen die Entwicklung eigener Arzneimittel in bisher vernachlässigten Krankheitsbereichen an. Parallel dazu fördert Anthropic mit einem neuen Programm bis zu 50 interdisziplinäre Forschungsprojekte für Promovierende und Postdocs mit je 30.000 US-Dollar. Die Testphase für gewerbliche und akademische Nutzer ist bereits gestartet.
