Ferrari setzt IBMs KI für F1-Superfans ein
Zwei Jahre, nachdem IBM sein Portfolio im Sportbereich um Formula One ergänzte, hat das Technologieunternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem Rennstall Scuderia Ferrari HP eingeleitet. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die Fanbindung durch fortschrittliche künstliche Intelligenz zu stärken und den Markenwert von Ferrari im digitalen Zeitalter zu festigen. Formula One hat sich in den letzten Jahren zu einem globalen Phänomen entwickelt, wobei insbesondere die Popularität in den USA durch die Netflix-Dokumentation „Drive to Survive" massiv gewachsen ist. Tech-Giganten nutzen die Präsenz im Rennsport längst, um Datenanalysen und KI-Lösungen zu vermarkten und gleichzeitig Wettbewerbsvorteile im rennsportlichen Umfeld zu erzielen. Im Kern der Allianz steht die Transformation der Ferrari-Fan-App. Bisher diente die App primär der Bereitstellung von Renndaten, von denen Nutzer jedoch schnell wieder abwanderten. Durch die Zusammenarbeit mit IBM wurde die Anwendung grundlegend überarbeitet, um eine tiefere persönliche Verbindung zu schaffen. Stefano Pallard, neu ernannter Leiter der Fan-Entwicklung bei Ferrari, betonte, dass es nicht allein darum gehe, Fans zu erreichen, sondern jedes Individuum so wahrzunehmen, als würde das Team es persönlich kennen. Ein erster wichtiger Schritt war die Lokalisierung: Die App wurde nun erstmals in Italienisch verfügbar gemacht, obwohl Ferrari ein italienisches Unternehmen ist und viele Fans dort leben. Die neue Plattform bietet eine Vielzahl interaktiver Funktionen. Dazu gehören Mehrspieler-Spiele, KI-generierte Rennzusammenfassungen, exklusive Hintergrundgeschichten über Fahrer und Team, Vorhersagemöglichkeiten sowie ein KI-Assistent, der Fragen beantwortet. Kameryn Stanhouse, Vice President für Sport- und Unterhaltungspartnerschaften bei IBM, erläuterte, dass der Fokus auf Storytelling liegt. Durch die Aufbereitung komplexer Daten aus dem Rennen – wie zum Beispiel die beeindruckende Tatsache, dass 24 Personen innerhalb von zwei Sekunden einen Reifenwechsel durchführen – fühlen sich Fans näher am Geschehen. Im Gegensatz zu anderen Sport-Apps, die oft nur während bestimmter Turniere genutzt werden, soll die App eine ganzjährige Bindung fördern. Die Erfolgsmessung bestätigt den Ansatz: Die Engagement-Daten der App stiegen seit dem Start der Partnerschaft deutlich an, wobei während der Rennwochenenden eine Steigerung von 62% verzeichnet wurde. Die Teams nutzen KI-Analysen, um zu verstehen, welche Inhalte bei den Fans besonders gut ankommen. Pallard erklärte, dass diese Erkenntnisse direkt die Strategie der Inhaltsbereitstellung beeinflussen, um das Interesse der „Tifosi" zu wecken. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anpassung an eine veränderte Demografie. Da 75% der neuen Fans Frauen sind und viele der Generation Z angehören, muss das Angebot moderner und vielfältiger sein. Die Vision für die nächsten fünf Jahre ist es, durch personalisierte Inhalte jedes Fan-Erlebnis individuell zu gestalten, unabhängig davon, wie lange der Fan dem Team bereits folgt. Das ultimative Ziel ist es, durch diese digitale Annäherung und datengestützte Ansprache eine langfristige Loyalität aufzubauen, die den wachsenden globalen Fanbestand besser bedient. Die Zusammenarbeit zwischen Ferrari und IBM zeigt, wie moderne Datenanalyse und KI genutzt werden können, um traditionelle Sportmarken in einer zunehmend digitalen Welt neu zu definieren.
