F1-Ingenieur verlässt Red Bull für Fabrikroboter
Das Münchener Startup microagi hat eine Aufholjagd in der Robotik-Anwendung gestartet und einen Rekord-Seed-Fundraising in Höhe von 55 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Geführt wurde die Runde vom Investor Hummingbird, an dem sich zudem Northzone, LocalGlobe, Village Global und redalpine beteiligten. Angeführt wird das Unternehmen vom ehemaligen Aerodynamikingenieur des Red Bull Racing Formel-1-Teams, Bercan Kilic, der mit seinen vier Co-Gründern das Ziel verfolgt, Robotik aus dem Labor in die industrielle Praxis zu überführen. Der Kern des Geschäftsmodells von microagi liegt in der Schließung der Datenspalte zwischen KI-Textmodellen und physischen Robotern. Statt eigene Hardware oder Grundarchitekturen zu entwickeln, filmt die Plattform über ihre Consumer-App shift menschliche Arbeitsabläufe und nutzt diese Daten zur Feinabstimmung existierender KI-Modelle für konkrete Fabrikaufgaben. shift ist inzwischen in 15 Ländern aktiv und hat bereits mehr als 20.000 Aufträge zur Datenerfassung vermittelt. microagi stellt den Robotiklabors die Trainingsdaten zur Verfügung und implementiert anschließend die angepassten Modelle in den Produktionsanlagen seiner Kunden aus den Bereichen Automobil, Logistik und Lebensmittel. Die Investitionssumme unterstreicht das wachsende Kapitalinteresse an physischer KI, getrieben durch anhaltende Fachkräftemängel, demografischen Wandel in Europa und den Druck zur Wiederansiedlung von Lieferketten. Kilic verweist darauf, dass die Automatisierung in Europa und den USA unverzichtbar sei, um den Ausstieg alternder Belegschaften auszugleichen und mit der raschen Robotisierung in Asien Schritt zu halten. Die Finanzierung soll vorrangig den Ausbau der Recheninfrastruktur zur Modellschulung, die Erweiterung des Datenerfassungsnetzwerks und die Konsolidierung der US-Präsenz finanzieren. Trotz des Erfolgs steht das Unternehmen vor einem komplexen Ökosystem, das bereits um Datenlieferanten und Plattformbetreiber konkurriert. Die fünfköpfige Führungsmannschaft, ergänzt durch Experten aus der Automobilindustrie und der Forschung, bewertet den aktuellen Stand der Robotik als kurz vor einem Durchbruch stehend, vergleichbar mit der frühen Phase der Large Language Models. Das ambitionierte Unternehmensziel sieht vor, die Technologie bis zum Ende des Jahrzehnts auf zwischen 20 und 30 Millionen Robotern zu betreiben und damit zum führenden Anbieter industrieller Automatisierungslösungen zu werden. Die Markteinführung bei fünf ersten Kunden läuft bereits, wobei erste operative Deploymentphasen unmittelbar bevorstehen.
