Alphabet setzt neuen AI-Ausgaben-Rekord – Wall Street reagiert skeptisch
Alphabet überraschte Wall Street mit starken Zahlen für das vierte Quartal, doch die Ankündigung einer massiven Erhöhung der Kapitalausgaben für 2026 ließ die Aktien im Erweiterungshandel sinken. Der Google-Mutterkonzern erzielte übertroffene Ergebnisse bei Umsatz, Ergebnis je Aktie und Cloud-Verkäufen, doch die Prognose für 2026 mit einem Kapitalbudget zwischen 175 und 185 Milliarden US-Dollar sorgte für Besorgnis. Das oberste Ende der Prognose würde die Ausgaben von 2025 mehr als verdoppeln und die Erwartungen für die gesamte Branche neu definieren. Im Gegensatz zu Microsoft, das keine konkrete Prognose für 2026 gab, und Meta, das mit 115 bis 135 Milliarden US-Dollar ein deutlich niedrigeres, aber dennoch starkes Wachstum anvisiert, positioniert sich Alphabet als führender Investor in AI-Infrastruktur. Amazon, das am Donnerstag seine Zahlen vorlegt, wird voraussichtlich 2025 rund 124,5 Milliarden US-Dollar und 2026 etwa 146,6 Milliarden US-Dollar ausgeben – ein Anstieg um 18 Prozent. Die steigenden Ausgaben werden vor dem Hintergrund einer zunehmenden Skepsis bei Investoren getätigt. Trotz guter Tech-Ergebnisse verlor der Softwaresektor in den letzten drei Monaten 30 Prozent seines Marktwerts, da Angst vor disruptiven AI-Tools und steigenden Kosten besteht. Alphabet war bisher von diesen Schwankungen weitgehend verschont geblieben, nachdem es 2025 zu den besten Performern gehörte. Doch die massive Kapitalbindung für AI-Infrastruktur stößt auf Widerstand. Die Cloud-Sparte von Google, die die meisten AI-Produkte hostet, verzeichnete ein Plus von 55 Prozent im Auftragsbestand im Quartal und mehr als doppelten Jahresvergleichswert – auf 240 Milliarden US-Dollar. Der Cloud-Umsatz stieg um fast 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Finanzchefin Anat Ashkenazi erklärte, dass die 2026-Ausgaben vor allem in AI-Computing-Kapazitäten für Google DeepMind, die Befriedigung der steigenden Nachfrage nach Cloud-Diensten und strategische Investitionen in andere Projekte fließen werden. Ein Großteil der 2025-Ausgaben – rund 60 Prozent – ging in Server, 40 Prozent in Rechenzentren und Netzwerktechnik. Auch die Nutzung von AI-Produkten wächst rasant: Google Gemini erreichte 750 Millionen monatlich aktive Nutzer, ein Anstieg von 650 Millionen im Vorquartal. CEO Sundar Pichai betonte die strategische Bedeutung der Partnerschaft mit Apple, bei der Google als bevorzugter Cloud-Provider für den neuen Siri-Assistant dient. Pichai räumte ein, dass die Hauptangst der Führungsetage die ausreichende Rechenleistung sei – „Power, Land, Lieferketten, wie man die Nachfrage in diesem Moment bewältigen kann“. Die Übernahme des Rechenzentrumsanbieters Intersect für 4,75 Milliarden US-Dollar im Dezember unterstreicht die Dringlichkeit. Laut Amin Vahdat, Leiter der AI-Infrastruktur, muss Google die Serverkapazität alle sechs Monate verdoppeln, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. „Der Wettbewerb um AI-Infrastruktur ist der kritischste und teuerste Teil des AI-Rennens“, sagte er im November. Die Reaktion der Wall Street zeigt, dass Investoren zwar die strategische Bedeutung von AI anerkennen, aber die finanziellen Risiken einer solch schnellen Expansion zunehmend als belastend empfinden. Alphabet bleibt trotzdem ein Vorreiter, der die Grenzen der AI-Infrastrukturinvestitionen neu definiert – mit potenziellen Konsequenzen für die gesamte Tech-Branche.
