MIT-Professor sichert 150 Mio. US-$ für Kraft-RL-Robotik
Das US-Start-up Eka Robotics hat am 20. Oktober eine Series-A-Finanzierungsrunde über 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Runde führten der Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz, kurz a16z, und F-Prime Capital Group; zudem beteiligte sich Samsung Next über die Risikokapitalsparte des Konzerns. Das Unternehmen wird nach dem Einstieg mit 1,45 Milliarden US-Dollar bewertet. Eka wurde von dem MIT-Professor Pulkit Agrawal und dem früheren DeepMind-Forscher Tuomas Haarnoja gegründet und widmet sich robotischer Geschicklichkeit für anspruchsvolle physische Aufgaben. Im Zentrum steht ein Ansatz, den Eka Vision-Force-Action, kurz VFA, nennt. Statt wie viele konkurrierende Ansätze primär auf Sprach- und Bildmodelle zu setzen, kombiniert Eka Kamera-, Kraft- und Bewegungsinformationen in einem Modell. Dadurch soll ein Roboter bei Berührungen sofort auf Schlupf, Widerstand oder Fehlausrichtungen reagieren können. Ergänzend trainiert das Unternehmen in großen physikalischen Simulationen mit Reinforcement Learning. Über parallele Simulationen sollen tausende Trainingsstunden in kurzer Zeit erzeugt werden; die gelernten Strategien werden anschließend in reale Greifsysteme übertragen. Der Ansatz adressiert eine bekannte Schwäche rein visuell gesteueter Robotersysteme. Bei Aufgaben wie dem Einführen eines Steckers oder dem Greifen empfindlicher Objekte kann eine Kamera allein nicht zuverlässig anzeigen, ob ein Gegenstand fest genug gehalten, falsch ausgerichtet oder beschädigt wird. Eka nutzt deshalb Kraftsensoren in Kombination mit Simulationstrainings, um aus Fehlern schneller zu lernen. Agrawals Forschung am MIT-Improbable-AI-Labor und Haarnojas Hintergrund bei Reinforcement-Learning-Algorithmen, darunter Soft Actor-Critic, bilden die wissenschaftliche Grundlage. In Laborversuchen zeigte Eka schnelle Greifbewegungen bei verschiedenen und teils empfindlichen Objekten. Das Unternehmen meldet bis zu 1.500 erfolgreiche Griffe pro Stunde, was einem etwa 2,5-fachen menschlichen Referenzwert entsprechen soll. Die Trefferquote wird mit über 95 Prozent angegeben; verarbeitet werden Objekte bis zu einem Kilogramm. Gezeigt wurden unter anderem das Greifen von Baumbeeren, das Eindrehen von Leuchtmitteln, das Hantieren von Schlüsselbunden sowie die Zuführung von Lebensmitteln auf Transportbänder. Diese Szenarien demonstrieren, dass die Roboter nicht nur statisch positionierte Gegenstände aufnehmen, sondern auch mit Rollbewegungen, instabilen Griffen und Zeitdruck umgehen sollen. Technisch und wirtschaftlich relevant sind zudem die Hardwareangaben. Eka gibt Kosten der Greifhardware unter 1.000 US-Dollar an und nennt eine Lebensdauer von etwa fünf Millionen Lastwechseln. Standard-Industrieroboter werden häufig auf deutlich mehr als zehn Millionen Zyklen ausgelegt; die genannten Werte unterstreichen den Fokus auf niedrige Anschaffungskosten und Skalierung in Industriepiloten. Zu den erprobten Einsatzfeldern zählen Picking, Placement und Kabelhandhabung. Die Finanzierung markiert einen Vertrauensvorschuss für eine alternative Route in der Robotik. Allerdings bleibt die Übertragung von Simulationstrainings in den realen Betrieb eine der größten Herausforderungen. Reibung, Materialverformungen, Montageungenauigkeiten und Wartungsanforderungen können Laborergebnisse schnell relativieren. Für Eka Robotics liegt der entscheidende nächste Schritt darin, die beschleunigten Greif- und Manipulationsfähigkeiten über längere Zeit, unter Produktionsbedingungen und bei wechselnden Objekten nachzuweisen.